Über die Interpretation von Wahlen durch parteiische Journalisten

Bei Tagesschau.de kann man nachlesen, dass die SPD in Nordrhein-Westfalen abgestürzt ist. Im Teaser klingt kurz an, dass die Grünen im Verhältnis zum letzten Wahlergebnis viel stärker rasiert wurden:

Die Grünen halbieren sich

Und tatsächlich: 2012 bekam die SPD 39,1 Prozent und die Grünen 11,3 Prozent der Stimmen. Der Tagesschau.de-Artikel nimmt Bezug auf eine Hochrechnung und spricht bei der aktuellen Wahl von 30,6 Prozent für die SPD und 6,1 Prozent für die Grünen.

Weiterlesen „Über die Interpretation von Wahlen durch parteiische Journalisten“

Jammerfrau: Es reicht nicht zum Leben

Bei der Huffington Post gibt es mal wieder einen Blog-Eintrag einer Jammerfrau. Ilona Böhnke behauptet, dass sie trotz Vollzeitarbeit als Erzieherin nicht genügend Geld bekommt um davon zu leben.

Egal wie viele Beiträge dieser Art ich lese, jedesmal wundere ich mich darüber, warum Jammerfrauen ihr empfundenes Leid, ihr schreckliches Schicksal und die von ihr gefühlten Ungerechtigkeiten der ganzen Welt erzählen müssen.

Die Existenz solcher Beiträge zeugt von einem Privileg: Jammerfrauen haben die Möglichkeit ihren Standpunkt und ihre Gefühle ohne Nachfragen und ohne Gegenpositionen in großen Medien zu artikulieren. Manchmal – wie hier – indem sie den Artikel gleich selbst schreiben dürfen, manchmal indem sie ihr Schicksal einer vermeintlichen Leidensgenossin erzählen dürfen.

Immer sind andere Schuld, immer sind es Ungerechtigkeiten der Gesellschaft, nie ist die Jammerfrau selbst für etwas verantwortlich. Es versagen nur die anderen. Ein „so ist halt das Leben“ oder „kneif mal die Arschbacken zusammen“ – unvorstellbar.

Im Gegensatz dazu fallen mir keine Jammermänner-Artikel auf. Männer auf Montage, die ihre Familie nur alle paar Wochen mal sehen. Die Ausbildung zum Straßenbauer – diese Ungerechtigkeit! Er muss auf Montage. Sein Job an der Autobahn ist lebensgefährlich. Er muss am Wochenende arbeiten. Und bei Regen! Der Job ist immer gleich und bietet wenig Abwechslung. Und niemand dankt es ihm!

Wo ist der einfühlsame Artikel, der dafür die Gesellschaft anprangert? Ach ja, ich vergaß, da muss halt getan werden, was getan werden muss. Es gibt kein Mitgefühl für einen Mann, der seine Kinder selten sieht.

Weiterlesen „Jammerfrau: Es reicht nicht zum Leben“

Vom Zusammenbrechen des Rechtsstaates

Mir fallen dieser Tage Fälle von Kriminalität auf, die ich in dieser Form früher nicht wahrgenommen habe. Ich meine damit sexualisierte Gewalt, die tagsüber und in der Öffentlichkeit auftritt:

Nach Aussage des Familienvaters haben Unbekannte wenige Minuten zuvor ihn und seinen Sohn niedergeschlagen, nachdem diese versucht hatten seine beiden kleinen Töchter sich auf den Schoß zu setzen.

Der 39-Jährige stellte die Männer zur Rede, worauf diese unvermittelt auf ihn einschlugen. Sogar als der Mann aus Schwerte am Boden lag, traten die „Schläger“ weiter auf ihn ein. Als sein 13-jähriger Sohn und seine Frau sich schützend vor ihn stellten, wurden auch diese verletzt.

Solche Sachen passieren heute an einem Samstag um 16:30 Uhr in einem Zug. Ebenfalls am Tage, um 12:15 Uhr irgendwo in der Provinz kommt so etwas vor:

Die Esloherin (45) war auf dem Wanderweg E5 oberhalb der Sormeckestraße unterwegs, als der Sex-Täter sie von hinten anfiel und zu Boden riss. Dann setzte er sich auf sie und würgte sie. […] Als er versuchte, ihr auch die Kleidung wegzureißen, griff die Frau zu einem Stein und schlug auf den Angreifer ein.

Weiterlesen „Vom Zusammenbrechen des Rechtsstaates“