Wie Lila Pudel kläffen

Kann sich jemand vorstellen, innerhalb von einem Jahr eine komplette Gehirnwäsche verpasst zu bekommen?

Nimm einen ambitionierten Jungen vom Dorf, versetze ihn in eine Großstadt und umgib ihn privat und beruflich mit Anhängern einer heilsversprechenden Ideologie. Heraus kommt ein gnadenloser Opportunist, dessen Radikalität umgekehrt proportional zur Dauer seines Meinungsänderungsprozesses ist.

Till Eckert schreibt auf ze.tt:

Ich bin ein Mann und hatte keine Ahnung vom modernen Feminismus. Erst als ich verstanden habe, dass er alternativlos ist, stellte ich die richtigen Fragen.

Das ist mehr als nur peinlich. Das ist in Gänze lesenswert. Der Artikel zeigt was die Anpassung an eine Ideologie und das Gefühl, auf der Seite des moralisch Guten zu stehen, mit Menschen macht. Er ist interessant und erschreckend zugleich. Ich hoffe dass solche Menschen nie die Macht haben, über das Leben anderer zu bestimmen. Denn so wie Till Eckert den „modernen Feminismus“ als „alternativlos“ vertritt, läuft es mir kalt den Rücken herunter.

Um alte Denkmuster verlassen zu können, müssen wir in ein anderes Umfeld kommen, brauchen wir neue, starke Begegnungen, die uns zum Nachdenken inspirieren. In meinem Fall war das mein Umzug aus dem schwäbischen Dorf nach Berlin, der neue Job, die neuen Kolleg*innen.

Hier wurde ich erstmals ziemlich frontal mit politischem Feminismus konfrontiert.

Till Eckert hat ihn studiert, den „politischen Feminismus“. Hier sind seine Erkenntnisse.

Der moderne Feminismus zielt in allererster Linie darauf ab, dass alle Menschen gleichberechtigt auf diesem Planeten leben können. Alle. Das will ich, und das sollte man wollen, wenn man ein moralischer Mensch ist. Abgesehen davon ist das für mich nur logisch: Während ich meine Stimme als Antirassist dagegen erhebe, dass Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe diskriminiert werden, kann ich auf der anderen Seite nicht die Augen davor verschließen, dass 50 Prozent der Weltbevölkerung systematisch kleingehalten wird.

Wer kein Feminist ist, ist unmoralisch. Nur Feministen verfolgen die richtigen Ziele. 50 Prozent der Weltbevölkerung – er meint Frauen – werden „systematisch kleingehalten“. Die Verschwörung aller Männer der Welt gegen alle Frauen der Welt, Till Eckert hat sie erkannt.

Und dann zählt er sie auf, Benachteiligungen und Diskriminierungen von Alltags-Sexismus bis schlecht bezahlter Arbeit in der westlichen Welt.

Weil ich ein wirklich großes Verständnis für Männer habe, die noch nicht verstanden haben, wie relevant der Feminismus ist – ich hab‘ ja selbst ewig gebraucht –, will ich nachfolgend zeigen, warum es vielen Männern so schwer fällt, die feministische Botschaft zu begreifen und sie diese falsch interpretieren.

Danke, Till Eckert, für dein wirklich großes Verständnis! Ich habe nur noch nicht verstanden wie relevant der Feminismus ist, aber auch ich werde seine heilsbringende Botschaft wohl eines Tages begreifen. Es besteht noch Hoffnung, selbst Till Eckert hat für seine Bekehrung „ewig gebraucht“ (damit meint er ein Jahr Gehirnwäsche).

Aus den langen belehrenden Ergüssen hier noch eine Art „Best of“ der Weltanschauung von Till Eckert.

Den Feminismus als Bewegung kann man gut mit der antirassistischen Bewegung vergleichen.

Volle Zustimmung.

Es geht nicht darum, dass alle Männer über alle Frauen herrschen, sondern dass einige wenige Männer über alle anderen Frauen und Männer herrschen.

Eine Verschwörungstheorie à la bonne heure. Und dann kommen Selbstbezichtigungen moralisch verwerflichen Verhaltens, die an stalinistische Schauprozesse der dreißiger und fünfziger Jahre erinnern.

Ich habe in der Vergangenheit schlecht über Frauen gesprochen, hinter ihrem Rücken. Ich habe anzügliche Witze über sie gemacht und sie reduziert. Ich habe mich über Frauen mit kurzen Haaren lustig gemacht, ihnen ihre Weiblichkeit abgesprochen. Ich dachte, es verschaffe mir irgendeinen absurden Respekt unter meinen männlichen Freunden, wenn ich über Frauen lästere, nachdem ich mit ihnen in der Kiste war. …

Es ist bemerkenswert einfach, einen sexistischen Spruch abzulassen, eine Frau in ihrer Abwesenheit kurz Schlampe zu nennen, wenn man unter seinen Jungs bierselig in der Kneipe hängt und nicht darüber nachzudenken, was man gerade eigentlich gesagt hat – und was das mit dem Frauenbild macht, wenn alle das tun. Penny schreibt in ihrem Buch Fleischmarkt, dass Frauen in jungen Jahren mitunter eine panische Angst davor entwickeln, für andere als Schlampe zu gelten. Mich wundert das nicht.

Das Thema hatten wir hier im Blog schon.

Ich musste bei der Lektüre feministischer Theorie regelmäßig auflachen, mir an den Kopf fassen, ja verdammt, ich musste sogar weinen. Wie konnte ich das nur übersehen? Wie konnte ich so blind sein? Mein früheres Ich hat mich einerseits angewidert, aber andererseits habe ich auch erkannt, dass ich vieles nicht getan habe, weil ich es so wollte und so geboren wurde, sondern weil unser System das begünstigt. Aber nur selbst beichten und sich verzeihen genügt nicht – wir müssen dafür sorgen, dass andere Männer und Jungen nicht dieselben Fehler begehen.

Und zum Schluss:

Abschließend kommen hier ein paar simple Handlungstipps von mir und den Feministinnen in unserer Redaktion für Männer, die den Feminismus unterstützen wollen.

Die Redaktion von ze.tt scheint ein Katalysator für die feministische Gehirnwäsche zu sein. Was die „simplen Handlungstipps“ betrifft: Selber lesen und schmunzeln!

Viele Männer fühlen sich tatsächlich dadurch angegriffen, dass Frauen Ungerechtigkeiten nicht länger akzeptieren wollen. Ja, viele Männer fühlen sich schon alleine dadurch angegriffen, dass eine Frau überhaupt ihre Stimme erhebt. Das wiederum kann ich nicht akzeptieren.

Was für ein Selbstbild, was für ein Männerbild wurde diesem bedauernswerten Opfer feministischer Gehirnwäsche eingeimpft? Ihr Feministinnen in der ze.tt-Redaktion, war es nicht genug den Jungen vom Dorf, der einfach nur dazugehören wollte, zu offener Selbstverleugnung zu treiben, musstet ihr ihn auch noch dazu bringen, andere bekehren zu wollen?

Das neue Lebensumfeld war der Auslöser, es ließ einen Knoten platzen und immense Denkfehler auflösen. Es weckte ein Feuer in mir: Der Feminismus ist für mich keine Idee, er ist für mich auch keine Bewegung. Der Feminismus ist für mich eine Geisteshaltung.

Till Eckert, sie haben dich gebrochen. Sie haben dir deine Würde genommen. Sie haben einen Lila Pudel aus dir gemacht.

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7 Kommentare zu „Wie Lila Pudel kläffen“

  1. Ich bin jeden Tag glücklicher darüber, dass ich es vor 17 Jahren geschafft habe, den Weg genau in die andere Richtung zu gehen.
    Vor 17 Jahren bin ich aus einer Großstadt im Ruhrgebiet weggezogen ins Schwabenland.
    In eine schöne kleine Stadt am Bodensee. Hier gibt es noch viele grundvernünftige Menschen.
    Hier würde mich Nichts und niemand mehr wegbekommen.
    Ich bin hier in der AfD Ortsgruppe und das sind alles vernünftige Menschen, mit guten Ansichten.
    Als Maschinenbautechniker gehöre ich noch zu den Menschen, die mit Ihrem Job Geld generieren und den Laden am laufen halten, aber auch leider mit meinen ganzen Steuern und Abgaben die Sozialschmarotzer durchfüttere.

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  2. Seid ihr sicher, dass der Kerl kein Fake ist? Mir kommt diese Erweckungsgeschichte verdammt bekannt vor, sie erinnert sehr stark an den herrlichen Verriss von Eckhard Henscheid, den der vor vielen Jahren in der „Titanic“ Nr. 4/1988 unter dem Titel „Neuer Mann – alter Hut“ veröffentlich hat. Gegenstand dieses wunderbaren aber leider nur in der Printausgabe zu lesenden Artikels (wegen dem sich der nachträgliche Kauf des Heftes lohnt) war das von heranschmeißerischen schmierigen Selbstbezichtigungen gekennzeichnete Machwerk eines gewissen Wilfried Wieck – einem Prachtexemplar von einem Mösenkriecher – das sich „Männer lassen lieben“ nannte.

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    1. Wenn das ein fake ist – dafür spricht die völlig überzogene Mösenkriecherei, dagegen die Veröffentlichung auf ze.tt, die sind weder für Satire noch für Humor bekannt -, wenn das ein fake ist, dann ziehe ich meinen Hut vor der gelungensten Verarsche des Jahres (so far). Ze.tt, bitte lösen 😜

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      1. Jetzt habe ich’s gefunden, worauf ich gleich hätte kommen müssen. Der Kerl ist höchstwahrscheinlich weder ein Fake, noch ein Mösenkriecher, hat aber gute Gründe, so zu tun, als sei er einer.

        Es gibt Männer, die haben ein Faible für in Lack & Leder gewandete strenge Herrinnen mit scharfer Kommandostimme. Andere wiederum schmachten stattdessen FrauInnen mit schriller Mäkelstimme in Schlabberklamotten und Birkenstocklatschen an.

        Manche Männer geben Sätze von sich wie „Herrin, bestrafe Dienen nichtswürdigen Sklaven, der die Unbotmäßigkeit besitzt, Deine Stiefelspitze küssen zu wollen!“ Andere wiederum sondern Geräusche ab, die sich anhören wie: „Wir Männer müssen lernen, unter Führung der Frauen zu lernen, den Macho in uns allen zu bekämpfen.“

        Für manche Männer ist es das höchste der Gefühle, von gestrengen Herrinnen angekettet und ausgepeitscht zu werden. Andere wiederum unterwerfen sich willig einer weitaus grausameren Prozedur: dem Beziehungsgespräch.

        Während aber Männer der erstgenannten Kategorie für ihr Vergnügen mit schwerem Geld bezahlen müssen, gelangen Männer der zweitgenannten Kategorie ganz kostenlos zu ihrer Erfüllung.

        Fazit: Till E. ist in Wahrheit ein ganz schlauer Genießer!

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        1. von dem was in letzter Zeit so aufgefallen ist (z.B. Joss Whedon) scheint ein guter Teil dieser Sorte Feministen in der Tat genau die manipulativen Arschlöcher zu sein die früher schon alles bestiegen haben was einen Rock trug. Jetzt mit anderer Masche.

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