Die Schuld der Retter

Der letzte Beitrag von Siggi wurde gerade von der aktuellen Entwicklung eingeholt. Es stimmt: Die Retter im Mittelmeer sind verantwortlich für den Tod von Flüchtlingen.

Das Schiff der deutschen Hilfsorganisation „Jugend Rettet“ ist vor der Küste Libyens in Seenot geraten. Die Iuventa sei mit 400 aus dem Mittelmeer geretteten Flüchtlingen komplett überfüllt und brauche dringend Hilfe, teilte die Organisation auf Facebook mit. Man sei „komplett navigationsunfähig“ und „nicht mehr in der Lage, die Situation alleine zu stemmen!“

Es befänden sich noch schätzungsweise 400 Menschen auf Schlauchbooten in unmittelbarer Nähe des Schiffs. Viele von ihnen seien Frauen, Schwangere und Kinder ohne Rettungswesten.

Das passiert, wenn man vor der libyschen Küste auf Flüchtlinge wartet und sie nach Italien bringt. Die Menschen fahren aufs offene Meer hinaus mit allem was schwimmt und nicht schwimmt.

Die Seenotrettungsstelle hatte bereits am Vormittag die Bundeswehr zu einer Rettungsaktion etwa 60 Kilometer nordwestlich von Tripolis vor die libysche Küste geschickt. Dort nahm das Schiff zunächst 124 Flüchtlinge auf, anschließend bei weiteren Einsätzen Hunderte weitere Hilfesuchende, die auf zivilen Schiffen, Schlauchbooten und einem Holzboot unterwegs waren.

Flüchtlinge steigen in Schlauchboote und Holzboote, weil sie wissen, dass Marine und private Rettungsorganisationen sie erwarten. Am Osterwochenende waren es so viele, dass die Retter selbst in Seenot gerieten.

Seit Monaten wird vor noch stärkerer Flucht und höheren Risiken gewarnt.

Die von der Bundeswehr mitgetragene EU-Operation Sophia zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer spielt aus Sicht der Bundesregierung Schleuserbanden in die Hände. Die Organisationen „kalkulieren die im Seegebiet fahrenden Schiffe in ihren Modus Operandi“ ein, da diese „nach internationalem Seerecht verpflichtet sind, Seenothilfe zu leisten“, heißt es in der Regierungsantwort auf eine Anfrage der Linksfraktion, aus der die Zeitungen der Funke-Mediengruppe zitieren. „Die Bundesregierung sieht mit Sorge, wie Schleuser ihr Geschäftsmodell auf die Seenotrettung durch die verschiedenen Akteure ausrichten.“

27.000 Menschen sind auf diese Weise seit Jahresbeginn erfolgreich nach Europa gekommen. Wen kümmern da die 800, die ums Leben gekommen sind? Diese „Rettungsaktionen“ sind an Zynismus nicht zu überbieten.

Ich frage mich, was die Helfer neben der von Siggi aufgezeigten Motivation („Man kann nicht gleichgültig sein. Man muss helfen. Es ist ein Erlebnis, das dein Leben verändert. Auf einmal schätzt du die normalen Dinge des Lebens wert.“) bewegt, welche Vision sie für die Lösung der Flüchtlingskrise haben, was sie anstreben, um die Situation zu verbessern. Auf der Webseite von „Jugend Rettet“ heißt es:

Als junge Europäer_innen können und wollen wir den Status Quo der europäischen Asylpolitik nicht hinnehmen. Wir fordern von den politischen Akteuren die Notsituation der Menschen zu entschärfen und praktische Hilfe zu leisten. Dafür brauchen wir ein Seenotrettungsprogramm und die Entkriminalisierung von Flucht und flüchtenden Menschen. Stattdessen werden die Menschen mit neugezogenen Mauern von der „Festung Europa“ ferngehalten und in ihrer Mobilität eingeschränkt – Diese Maßnahmen lehnen wir ab.

Das ist die Lösung für „Jugend Rettet“: Menschen, die nach Europa einreisen wollen, sollen das legal tun können („Entkriminalisierung“). Die Flüchtlinge sollen nicht von Europa ferngehalten und nicht in ihrer Mobilität eingeschränkt werden. Das bedeutet: Offene Grenzen und freie Einreise nach Europa für Jedermann.

Andere Rettungsorganisationen teilen diese Vision. Bei „Sea Watch“ heißt es:

Die zivile Seenotrettung durch Organisationen wie Sea-Watch rettet Menschenleben, ist aber nur eine kurzfristige Symptombekämpfung angesichts eines grundsätzlichen europäischen Problems – der Abschottung Europas. Mit unserer Aktion setzen wir uns für die Schaffung von legalen und sicheren Fluchtwegen ein. Außerdem muss es eine gemeinsame europäischen Seenotrettung geben, um weiteres Sterben verhindern.

Die „Schaffung von legalen Fluchtwegen“ hört sich anders an, bedeutet aber dasselbe: Freie Einreise nach Europa für Jedermann.

Jedem Europäer ist klar, dass die Verwirklichung dieser Vision Europa an den Abgrund bringt. Mit dem Migrationsdruck aus Afrika hatten wir uns hier im Blog schon mehrfach beschäftigt. Wie auch immer die Lösung der Flüchtlingskrise aussieht, offene Grenzen und freie Einreise sind es nicht.

Sagte ich „jedem Europäer“? Naja, fast jedem. Die selbst ernannten Retter in privaten Organisationen zwingen den Europäern ihre Ideale auf. Sie ermöglichen erfolgreiche Fluchten, was die Anzahl der Flüchtlinge und die eingegangenen Risiken weiter erhöht. Dann schwingen sie öffentlichkeitswirksam die Moralkeule und beklagen die steigende Anzahl von Todesopfern. Sie nennen es Rettung. Ich nenne es Beschleunigung der Todesspirale.

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3 Kommentare zu „Die Schuld der Retter“

  1. Der größte Witz an dieser „Iuventa“-Meldung ist ja wohl dieser hier:

    „… Viele von ihnen seien Frauen, Schwangere und Kinder ohne Rettungswesten.“

    Schon klar, ich sehe auf den Bildern der Flüchtlingsboote zu fast 100 Prozent junge Männer zwischen 20 und 30. Aber was will man auch von einer Pauline Schmidt (Sprecherin der Organisation „Jugend Rettet“ an Wahrheit erwarten, die sich Maschinenöl ins Gesicht schmiert, nur damit es irgendwie nach ‚anpacken‘ und dem Diktum einer weltoffenen ‚Powerfrau‘ aussieht:

    Nun ist sie in Seenot geraten mit ihrem Schleppertrupp, denn um nichts anderes handelt es sich hierbei, und ich empfinde kein Mitleid für Paulinchen, deren Horizont wohl knapp unter der Wasserlinie liegt. Nichts gegen ‚Weltverbesserer‘ – aber reflektieren können, dass sollten sie schon können. Und zwar im Hinblick auf das, was sie damit anrichten.

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