Nutte, Neger, Staatsanwalt oder Richter: Was ist schlimmer?

In Hamburg wurde 2015 eine 78-jährige zu 100 Euro Geldstrafe verurteilt, weil sie einen schwarzen Jungen „Neger“ genannt hat. Der hatte sie zuvor als „Nutte“ bezeichnet.

Die Beschimpfung [Neger] wiege schwerer als der Ausdruck „Nutte“, mit dem der Elfjährige die Rentnerin zuvor vermutlich belegt hatte.

Ich finde Urteil und Begründung falsch und Ausdruck überbordender politischer Korrektheit. Als juristischer Laie finde ich andere Aussagen im Artikel aber deutlich skandalöser.

Der Fall: Im Januar 2014 war Elke W. in Bramfeld auf ihrem Fahrrad unterwegs. Wie so oft. Die 78-Jährige bessert ihre 600-Euro-Rente mit Flaschensammeln auf.

Einer von drei Jungen steht auf dem Radweg und geht nicht aus dem Weg. Der beleidigende Wortwechsel entwickelt sich. Anschließend gehen die drei Jungen zur Polizei und zeigen die Frau an.

Von zwei Ohrfeigen, einem Faustschlag ins Gesicht und einem Tritt gegen das Schienbein war die Rede. Der Vorfall hatte der Rentnerin einen Strafbefehl über 800 Euro wegen Körperverletzung und Beleidigung eingetragen.

Diesen Teil finde ich skandalös: Für einen Strafbefehl muss die Staatsanwaltschaft einen „hinreichenden Tatverdacht“ gegeben sehen, den Strafbefehl bei Gericht beantragen und ein Richter darf keine Bedenken gegen den Strafbefehl haben. Erst dann wird der Strafbefehl erlassen.

Einer der Jungs ist 13 Jahre alt, der angeblich angegriffene ist 11 Jahre alt. Zum dritten Jungen wurde im Artikel kein Alter angegeben.

Und die 78-jährige Oma greift alleine diese drei Jungs an.

Ja, klar.

Ich frage mich, ob irgendeiner der Beteiligten auch mal das Hirn einschaltet, bevor er einen Strafbefehl auslöst.

Da wird die rüstige Oma mit einem Strafbefehl eingeschüchtert. Wie viele geben in diesem Alter eingeschüchtert nach? Wer hat mit 78 Jahren noch den Überblick und legt innerhalb von zwei Wochen Einspruch ein?

Man mag sich über den Inhalt des Urteils aufregen, der eigentliche Skandal ist unsere pervertierte JustizDas wird deutlich, wenn man unterstellt, dass der Angriff tatsächlich stattgefunden hätte: Für den Angriff auf ein Kind mit „zwei Ohrfeigen, einem Faustschlag ins Gesicht und einem Tritt gegen das Schienbein“ wird man mit nur 800 Euro bestraft?

Das ist der zweite für mich unfassbare Aspekt dieses Artikels. Ich gehe davon aus, dass es sich um eine Strafe nach Tagessatz handelt, die Oma hat 600 Euro Rente:

Für eineinhalb Monatseinkommen kann man ein Kind verprügeln?! Im Ernst?

Der dritte Aspekt ist, dass das Urteil ein Fehlurteil ist (nochmal: ich bin juristischer Laie), und zwar unabhängig davon, ob Nutte oder Neger das schlimmere Schimpfwort ist.

Der Skandal wird deutlich wenn man noch einmal rekapituliert: Die Frau

  • hat einen Jungen beleidigt.

Die Jungs

  • standen auf dem Radweg,
  • beleidigten eine Frau,
  • machten eine Falschaussage bei der Polizei und
  • der angeblich Angegriffene wiederholte die Falschaussage vor Gericht.

Die Jungs haben angefangen, die Frau hat reagiert. Wie kann das Urteil dann aus der Abwägung der Schwere der jeweiligen Beleidigung bestehen? Was ist mit Ursache und Wirkung? Was mit Recht und Unrecht?

Für mich bestätigt sich der Eindruck, dass die Menschen in unserem Justizsystem mit der realen Welt nichts mehr zu tun haben. Der Bericht und sein Schwerpunkt zeigt mir, dass die Medien unter dem gleichen Problem leiden. Niemand, von Polizei über Staatsanwaltschaft bis zum Richter findet es unglaubwürdig, dass die 78-Jährige drei Jungs angreift. Alle folgen der täglichen Routine und stellen den Strafbefehl aus. Auch sieht niemand in der Kette der Justiz ein Problem darin, die Jungs trotz der Falschaussagen und der Tatsache, dass sie den Konflikt begonnen haben, als Gewinner von Platz gehen zu lassen.

Der Journalist findet diese Aspekte ebenfalls nicht so absurd, dass er sie in seinem Bericht aufgreift. Scheint für ihn ganz normaler Alltag zu sein.

Alles, was der 78-jährigen zur Last gelegt wird ist, dass sie in Reaktion auf unverschämtes und beleidigendes Verhalten der Jungen „Neger“ gesagt hat. Das reicht, um sie zum Täter zu machen und den Jungen, der sie zuerst beleidigt und dann mit einer Falschaussage vor Gericht gebracht hat, zum Opfer.

Ich störe mich nicht daran, dass Justiz eine eigene Welt ist, dass man vor Gericht und auf hoher See in Gottes Hand ist, dass recht haben und recht bekommen zwei unterschiedliche Dinge sind oder dass es Fehlurteile gibt. Das war schon immer so. Justiz war immer eine eigene Disziplin, die nur bedingt etwas mit Gerechtigkeit zu tun hatte. Darum sollte man sich auch einen Rechtsanwalt nehmen, der ist Teil des Systems und kennt es.

Ich störe mich daran, dass die Personen, die dort entscheiden, offensichtlich abgehoben und Teil einer Elite sind, die mit realen Menschen – wie der Flaschen sammelnden Oma – nichts mehr gemein haben. Sie legen ihren Entscheidungen ihre abgehobenen Moral zugrunde, und nach der wiegt die Beleidigung „Neger“ eben doppelt und dreifach schwer. Sie leben ihn ihren eigenen Vierteln relativ sicher. Ihre Kinder gehen in eine Schule, die diesen Namen noch verdient. Sie haben keine Ahnung, wie es „auf der Straße läuft“.

 

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4 Kommentare zu „Nutte, Neger, Staatsanwalt oder Richter: Was ist schlimmer?“

  1. Seit wann ist Neger ein Schimpfwort?
    Politisch nicht korrekt heisst nicht gleich Schimpfwort.
    Das Wort ist eine eingedeutschte Form des lateinischen Wortes für ‚Schwarzer‘.
    Ich nenne einen Neger Neger sooft ich kann eben weil man das Wort zu ächten versucht. Aber ein Schimpfwort is ews nicht ich würde da in Berufung gehen.

    Das deutsche Opfer zu Tätern gemacht und vor Gericht gestellt werden während ausländische Täter nicht belangt werden, zeigt nur, dass ein Krieg gegen alle Deutschen im Gange ist. Femd und rechtlos im eigenen Land. So muss sich ein Jude 1935 in Deutschland gefühlt haben.

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  2. Ich nenne diese Starkpigmentierten seit den Umtrieben dieser Gutmenschen nur noch Neger – und zwar in jedem Gespräch oder sonstwo! Oder wäre Bonobos politisch korrekter?

    Als Angehöriger der Köterrasse nehme ich mir einfach das Recht und stehe auch dazu, weil ich diese Neger jeden Tag in meiner Großstadt erlebe: Laut, rücksichtslos und primitiv im Auftritt!

    Insofern und nicht nur deshalb löst dieses Urteil bei mir nur noch Kopfschütteln aus …

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  3. Nur, um mal ins Grübeln zu kommen. Angenommen, ich googlete nach einer „Negernutte“, was oder wer wäre dann strafbewehrt? Ich, als Suchender, Google als Contentlinker oder diese merkwürdigen Seiten, die solchen anbieten? Oder gebe es mildernde Umstände, weil eine Nutte sich ja ihren Job selbst aussuchen kann, ein Neger seine Hautfarbe aber nicht? Fragen über Fragen, die sich den Richtern stellen dürften.

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