Fefe und der Krieg

Fefe freut sich über einen „schönen Schachzug“ der EU gegen das Vereinigte Königreich. Die EU wird „die Ansprüche Spaniens auf Gibraltar nicht länger im Interesse Großbritanniens abwimmeln“. Fefe scheint das für eine gute Nachricht zu halten.

Auf mich wirkt das eher wie das Nachtreten des verschmähten Partners.

Gibraltar gehört seit 1704 nicht mehr zu Spanien. Die Einwohner von Gibraltar wollen nicht zu Spanien gehören:

In zwei Volksabstimmungen, in denen Gibraltar über einen Wechsel zu Spanien entschied, wurden die Vorschläge überaus deutlich verworfen: Am 10. September 1967 mit 12.138 zu 44 Stimmen und am 7. November 2002 mit 17.900 zu 187 Stimmen. 2002 war nur über eine gemeinsame britisch-spanische Ausübung der Souveränitätsrechte über Gibraltar abgestimmt worden.

Im von Fefe verlinkten Artikel heißt es:

The union will stick up for its members and that means Spain now

Die EU wird sich für ihre Mitglieder einsetzen und das ist jetzt Spanien.

Ist es sinnvoll, dass die EU ihre Mitglieder bei Gebietsansprüchen gegen andere Staaten unterstützt? Gegen Gebiete, die seit mehr als 300 Jahren zu einer anderen Nation gehören? Deren Einwohner mit 99 Prozent Mehrheit nicht Teil des beanspruchenden Landes sein wollen?

Und Fefe findet es legitim, so etwas als Verhandlungsmasse einzusetzen? Die EU soll mit all ihrer Macht andere (kleinere) Länder zu Zugeständnissen bei Gebietsansprüchen für EU-Mitglieder bewegen? Sollte Polen einmal die EU verlassen, wäre dieses Vorgehen dann – aus Sicht der EU – auch für die deutschen Ostgebiete angebracht?

Sieht niemand, dass solche Konflikte eigendynamisch eskalieren und der Kreislauf irgendwann nicht mehr zu stoppen sein könnte? Kennt niemand mehr die Geschichte? Es wurden schon Kriege aus nichtigeren Anlässen geführt. In Gibraltar kommt es öfter mal zu Ereignissen, die eskalieren könnten.

Ist es wirklich sinnvoll, jetzt jahrhundertealte Grenzen in Frage zu stellen und die Situation damit zu eskalieren? Wäre es nach 300 Jahren nicht angebrachter für die EU, Spanien dazu zu bewegen, Gibraltar als britisch anzuerkennen, als einen nur durch Krieg durchsetzbaren Anspruch zu unterstützen?

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7 Kommentare zu „Fefe und der Krieg“

  1. Gnadenlose Überbewertung in meinen Augen.
    Selbstverständlich wird die EU das tun, was für die Mitgliedsstaaten das beste ist, und nicht das was für die Nichtmitgliedsstaaten das beste ist.

    Aber da allen mit Frieden am Meisten gedient ist, wird da rein gar nichts eskalieren.

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    1. „Gnadenlose Überbewertung in meinen Augen.“

      Es geht ja um langsame Eskalation über Jahre oder Jahrzehnte.

      Es ist Realität, dass Spanien den Anspruch auch nach 300 Jahren und gegen den Willen der Bevölkerung nicht aufgeben will und dass letztlich der Anspruch nur mit Krieg durchzusetzen wäre. Wie soll dieses Problem denn aufgelöst werden, wenn das in 300 Jahren nicht gelungen ist?

      Würdest du einen Krieg zwischen Griechenland und der Türkei (beides NATO Partner) für genauso überbewertet halten?

      „Selbstverständlich wird die EU das tun, was für die Mitgliedsstaaten das beste ist, und nicht das was für die Nichtmitgliedsstaaten das beste ist.“

      Wenn die EU International aus Schulhofschläger auftritt, ist niemandem geholfen.

      „Aber da allen mit Frieden am Meisten gedient ist, wird da rein gar nichts eskalieren.“

      Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es trotzdem immer wieder zu Kriegen kommt. Außerdem kann auch ein Krieg jemandem dienen, z. B. wenn jemand von innenpolitischen Problemen ablenken möchte.

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  2. Wenn man das mal mit der angeblichen Annexion der Krim und der entsprechenden Aufregung darüber vergleicht, ist das nur noch Heuchelei. M.W.n. gab es auf der Krim eine Volksabstimmung, bei der sich eine große Mehrheit für den Anschluss an Rußland ausgesprochen hat. Da war die Schnappatmung aber groß, weil das angeblich gegen das Völkerrecht verstoßen würde. Aber gegen den Willen der dortigen Bevölkerung auf Gibraltar geht das auf einmal. Seinerzeit beim Kosovo hat man in der EU auch die Abspaltung von Serbien unterstützt, obwohl Serbien keiner Volksabstimmung zugestimmt hat, die laut Völkerrecht ja notwendig ist. Die Politik der EU hat mit Prinzipien nichts zu tun, die werden nur dann hervorgehoben, wenns einem in den Kram passt.

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    1. Meine Güte, Volksabstimmung auf der Krim. Hören Sie doch bitte auf mit diesem Schwachsinn. Russland und die Ukraine haben einen gültige Vereinbarung zur Krim, die von beiden Seiten so akzeptiert und gelebt wurde. Die Ukraine hat weder Absichten gehabt, daran etwas zu ändern noch irgendwelche Gründe. Und dann wird da eine Volksabstimmung durchgeführt, die einzig von Russland gewollt wurde, in einem Gebiet, das nicht zu Russland gehört. Also bitte. Abgesehen davon spielt es in der Ukraine nun wahrlich keine Rolle, ob man Russisch oder Ukrainisch spricht. Beide Sprachen werden selbst auf Regierungsebene gleichwertig genutzt, mit dem einzigen Unterschied, dass Ukrainisch eben offiziell Amtssprache ist.

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  3. Was da auch nich mit hineinspielen dürfte, ist die Flüchtlingsfrage. Es gibt theoretisch drei große Routen, um von Afrika nach Europa zu kommen. Die Ostroute über die Türkei und den Balkan (gerade ziemlich dicht), die mittlere Route über Tunesien/Lybien nach Italien und die Westroute über Marokko nach Spanien. Über die Westroute kommt im Moment so gut wie niemand, weil die Spanier knochenhart sind und jeden, den sie ohne Papiere aus dem Meer fischen, sofort wieder ans afrikanische Festland zurück schaffen. D.h. die Route ist gerade extrem unattraktiv, weil sich das rumgesprochen hat.

    Wenn aber nun das Vereinigte Königreich nicht mehr in der EU ist, fühlen die sich auch nicht mehr verpflichtet, mitzuhelfen, die EU-Grenzen zu schützen. Was bedeuten könnte, dass Flüchtlinge, die es bis nach Gibraltar schaffen, dann von denen ohne weiteres weiter nach Spanien gelassen werden. Oder man macht mit den Briten eben auch so einen Deal wie mit Erdogan. Das wollen die Spanier natürlich verhindern. Deswegen der Stress um Gibraltar.

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