Öffentlich-rechtlicher Feminismus und politische Korrektheit

In diesem Artikel beschäftige ich mich mit vier Artikeln bei deutschlandfunk.de, deren journalistische Qualität ich zweifelhaft finde. Die Berichterstattung wird von einer politischen Einstellung dominiert, die ich im Bereich des intersektionalen Feminismus mit seiner politischen Korrektheit verorte.

Rache für marokkanische Babykatzen wollten die Leser der österreichischen „Kronen“-Zeitung, als sie die Autorin Stefanie Sargnagel, Bachmann-Preisträgerin von 2016, mit einem Shitstorm überzogen, der massive Gewaltandrohungen und Vergewaltigungswünsche enthielt. Sargnagel hatte einen Reisebericht satirisch zugespitzt.

Die Journalistin Mithu Sanyal hat ein Buch über die Vergewaltigung geschrieben. Auch sie erlebte einen verbal gewalttätigen Shitstorm, nachdem sie Änderungen im Narrativ vom Vergewaltigungsopfer gefordert hatte.

Sind Frauen, die sich heute öffentlich positionieren, Opfer von Hysterie und ideologischer Raserei wie die Hexen des Mittelalters?

So beginnt Journalistin Karin Fischer ein Interview (!) mit Anke Domscheit-Berg für den Deutschlandfunk. Die Überschrift „Eine Art Krieg, der gegen Frauen geführt wird“ hat sie noch in Anführungszeichen gesetzt. Doch nach der Einleitung ist klar, dass es sich hier nicht um ein Interview zwischen einer unabhängigen Journalistin und einer Aktivistin handelt. Es handelt sich um zwei Aktivistinnen mit gleicher Zielsetzung und gleicher Meinung.

Gern spielt man sich gegenseitig die Bälle zu („Das ist eine äußerst interessante Frage“) und es ist die „Journalistin“ – nicht die Interviewpartnerin – die die Zielrichtung vorgibt:

Vergewaltigungen sind das übliche Mittel im Krieg, haben wir gelernt oder lernen müssen. Ist die Androhung einer Vergewaltigung Krieg mit anderen Mitteln?

Die Antwort erspare ich den Lesern dieses Blogs. Sie wird in Anführungszeichen als Titel des Artikels genutzt. Wie beim Ping Pong. Die Journalistin führt die Schlagworte ein, die sie gern haben möchte, die Interviewte nutzt das Schlagwort für ihre Antwort und die Journalistin kann es als Zitat für den Titel nutzen. Hand in Hand.

Der Höhepunkt ist erreicht, als Anke Domscheit-Berg sich offenbar so in Rage geredet hat, dass sie kaum noch zusammenhängend formulieren kann:

Und wenn dann noch eine Adresse dabei steht, was besonders häufig gerade bei Frauen passiert, wirkt das mundtot machen auf viele, viele andere Frauen, die da zugucken, und das wirkt sich ganz weit aus bis auf, dass wir 85 Prozent Männer haben, die in der Wikipedia Inhalte beitragen, was ja immerhin das Weltwissen der Menschheit sein soll, weil viele Frauen sagen, dass die Debatten, wo man um Inhalte auch streitet, was ja sachliche Diskurse sein könnten, oft so aggressiv und frauenfeindlich geführt werden, dass sie sich daraus zurückziehen.

Männer sind schuld, dass sich Frauen nicht ehrenamtlich bei Wikipedia engagieren, weil sie die Adressen von Frauen veröffentlichen? Ich kann nur vermuten, dass sie das sagen will. Ich habe noch nie von diesem angeblich so schlimmen Phänomen gehört. Natürlich wird das von Karin Fischer nicht hinterfragt oder erklärt.

Herzlichen Dank an Anke Domscheit-Berg für diese Einschätzungen und Gedanken zum Anwachsen von Hasskampagnen und Gewaltfantasien gegen Frauen im Netz.

Zum Abschluss wird noch einmal klar gestellt, dass nur Frauen Opfer sind und dass das Problem immer schlimmer wird. Dabei wurde beides im Interview nicht belegt und ein steigender Trend wurde nicht einmal erwähnt. Beide Aktivistinnen sind sich halt einig, das muss man gar nicht mehr ansprechen.

Während die beiden Aktivistinnen den Krieg gegen die Frauen herbeiphantasieren, berichtet der Deutschlandfunk an anderer Stelle über Menschen, deren Leben glaubhaft bedroht wird:

Gilles Kepels Name steht auf einer Todesliste des IS. Im Nachwort seines Buchs schreibt er: „Man wartet auf die politische Vision, die der Versuchung des Bruchs zu widerstehen vermag.“

„Ich habe das Buch geschrieben, während die Attentate Frankreich erschütterten und ich selbst zum Tode verurteilt war. Für mich war das eine Art auf die Todesdrohung zu antworten. Weil man mich mit dem Tod bedroht, werde ich nicht schweigen. Im Gegenteil: Ich schreibe erst recht noch ein Buch.“

Für diesen Mann hat die Autorin Kathrin Hondl kein Verständnis, er wird gleich in der Einleitung abgewatscht:

Der islamistische Terror spalte die französische Gesellschaft gezielt – das ist eine These, die Gilles Kepel in seinem neuen Buch „Der Bruch. Frankreichs gespaltene Gesellschaft“ entwickelt. Er schreibt gar von „bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ im Land. Die verbale Aufrüstung des Soziologen irritiert.

Bei ihm ist es „verbale Aufrüstung“, wenn er „gar von bürgerkriegsähnlichen Zuständen“ in Frankreich schreibt. Der sollte sich echt mal abregen. Nur weil er Todesdrohungen bekommt, glaubt er gleich, es gäbe ein Problem.

Gebe ich „Banlieues“ bei Youtube ein, bekomme ich an vierter Stelle ein französischsprachiges Video mit Szenen sehen, die mich an Bürgerkrieg erinnern. Aber das kann die Deutschlandfunk-Redakteurin sicherlich besser beurteilen als Gilles Kepel, der sich seit Jahren mit diesem Thema beschäftigt.

Den Politikern wirft Kepel Ignoranz vor: Gegenüber der Strategie der Dschihadisten und auch was deren „Nährboden“ angeht, den Salafismus.

„Kurzsichtige Politiker“, schreibt Kepel, hätten „weder versucht zu verstehen, wie noch warum sich eine Kultur freiwilliger Abschottung in Enklaven herausbilden konnte, die sich im Bruch mit der europäischen Gesellschaft und mit europäischen Werten befindet.“ Auch im aktuellen Präsidentschaftswahlkampf werde das Thema gemieden.

„Der Wahlkampf verläuft, als ob es die 239 Attentatsopfer nicht gegeben hätte. Der konservative Kandidat Fillon ist der einzige, der jetzt davon spricht, aber nur weil er sich in Richtung rechts radikalisiert, um von seinen Problemen mit der Justiz abzulenken. […]“

Kepel beobachtet und kritisiert eine – so wörtlich – „Verschleierung des Dschihadismus in Europa unter dem Vorwand, Islamophobie sei das bedeutendere soziale Phänomen“. Islamophobie, so seine These, sei zu einem Kampfbegriff geworden, der die Gesellschaft weiter spalte.

„Es gibt heute alle möglichen Vereine, die vorgeben die Islamophobie zu bekämpfen, die damit aber eine abgeschottete islamische Identität schaffen wollen. Dem gegenüber steht eine andere abgeschottete Identität, nämlich der Front National, der – grob gesagt – meint, Muslime seien keine Franzosen.“

Wie immer gibt es keine inhaltliche Auseinandersetzung. Sie wirft dem Leser mit erkennbar spitzen Fingern einige seiner Thesen hin.

Die Vehemenz, mit der der Soziologe Kepel die Islamophobie-Bekämpfer in Frankreich kritisiert, irritiert. In Zeiten, wo auf der anderen Seite des Atlantiks ein US-Präsident Muslimen aus bestimmten Ländern pauschal die Einreise verweigern will, ist es problematisch, dass Kepel das Wort Islamophobie hartnäckig in Anführungszeichen setzt. Auch wenn es letztlich die Dschihadisten sind, die Muslime in eine Opferrolle drängen wollen. Doch Kepels großes Thema ist die gespaltene Gesellschaft Frankreichs, ein Land, in dem, so schreibt er alarmistisch, „zunehmend bürgerkriegsähnliche Zustände“ herrschten.

Gilles Kepel begründet, dass der Begriff Islamophobie als Kampfbegriff genutzt wird um Dschihadismus kleinzureden und eine abgeschottete islamische Identität zu schaffen. Deutschlandfunk-Journalistin Kathrin Hondl hingegen kommt mit einem Trump-Vergleich um zu zeigen, dass Moslems die eigentlichen Opfer sind und hängt sich an einer Stilfrage (Anführungszeichen) auf.

Sie merkt nicht, dass sie damit genau das tut, was Gilles Kepel kritisiert: „Verschleierung des Dschihadismus […] unter dem Vorwand, Islamophobie sei das bedeutendere soziale Phänomen“.

Es geht kaum peinlicher. Journalismus sieht anders aus.

Auch diese verbale Aufrüstung verwundert. Denn gerade Gilles Kepel hat sich in den vergangenen Jahren als äußerst nüchterner Analytiker erwiesen. Einer, der die vielfältigen Ursachen des Terrors in ihrer ganzen Komplexität untersucht und benennt und sich dabei sowohl auf seine Kompetenz als Kenner der arabischen Welt und Sprache, als auch auf seine soziologischen Studien in Frankreich stützt.

Fällt es Frau Hondl nicht auf? Der nüchterne Analytiker und Kenner der arabischen Welt hat lange genug sachlich und geduldig das Problem beschrieben. Niemand hat ihm zugehört. Der zitierte Artikel zeigt das Problem symptomatisch. Ich kann verstehen, dass Gilles Kepel die Geduld verliert.

Ein weiterer bemerkenswert schlechter Deutschlandfunk-Artikel beschäftigt sich mit einem an sich interessanten Thema. Unter der Überschrift „Die Eliten betreiben eine Sprachwaschmaschine“ interviewt Deutschlandfunk-Autorin Doris Schäfer-Noske den Sprachwissenschaftler Jürgen Trabant:

Geflüchtete statt Flüchtlinge: Sprache wird immer wieder angepasst, um Menschen nicht zu verletzen oder herabzusetzen. Der Sprachwissenschaftler Jürgen Trabant nennt das „Sprachreinigung“. Dahinter stecke meist ein politisches Motiv, sagte er im DLF. Ihm gehen solche „semantischen Zwänge“ oft zu weit.

Jürgen Trabant weist auf ein brisantes Thema hin: Sprachreinigung hat ein politisches Motiv. Das Interview beginnt so:

Whitewashing – das ist ein Wort, das erst kürzlich wieder in Zusammenhang mit einem Buchcover aufgetaucht ist. Eine schwarze Schriftstellerin hat einen Roman über eine schwarze Frau geschrieben. Und der Verlag schickte ihr zunächst einen Cover-Vorschlag zu, auf dem eine weiße Frau zu sehen war. Auch Hollywood muss sich immer wieder den Vorwurf des Whitewashings gefallen lassen – etwa wenn Tilda Swinton im Superheldenfilm „Doctor Strange“ eine Figur aus Tibet spielt. Mit einer anderen Art des Waschens beschäftigt sich der Sprachwissenschaftler Jürgen Trabant in einem Aufsatz,

Also nochmal: Es geht um ein Interview mit einem Sprachwissenschaftler, der auf ein gesellschaftliches Problem aufmerksam macht. Die Deutschlandfunk-Journalistin Doris Schäfer-Noske assoziiert wild mit einem Schlüsselwort herum und lässt irgendeine politisch korrekte Tirade ab. Damit führt sie in das Interview ein.

Ich frage mich ob diese Journalistin in der Lage ist, Relevantes von Irrelevantem zu unterscheiden.

Natürlich muss wieder Donald Trump herhalten. Jürgen Trabant erwidert:

Im Gegenteil: Donald Trump ist sozusagen die Maschine gegen die Sprachreinigung. Trump und die ganze populistische Bewegung ist ja eine Bewegung gegen diejenigen, die die Sprachwaschmaschine betreiben. Um das noch mal ganz deutlich zu sagen: Die Sprachwaschmaschine wird von den Eliten betrieben, wird von den Wissenschaftlern betrieben, wird von Leuten betrieben, die die Wahrheit haben.

Im weiteren Verlauf leitet Jürgen Trabant her, dass die Eliten über Sprachmanipulation Gehirnwäsche betreiben. Kaum wird dieses für unsere Demokratie relevante Thema angesprochen ist das Interview schon zu Ende. Es scheint, als wurde die Interviewzeit für Doris Schäfer-Noskes einführende Tirade verschwendet.

Ein anderer Beitrag auf deutschlandfunk.de beschäftigt sich damit, dass Deutschland nicht für eine Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen NS-Vernichtungslagers Sobibór zahlen möchte.

Zeithistoriker Stephan Lehnstaedt, die polnische Regierung und Opferverbände sind übereinstimmend der Meinung, dass Deutschland sich hier finanziell engagieren müsste. Gegenstimmen kommen im Artikel nicht vor.

Vor wenigen Wochen hat die polnische Regierung ihr Interesse an einem deutschen Engagement bestätigt. Und dennoch: Mehrfach scheiterten Anträge auf Förderung von Gedenkstätten und Holocaust-Bildungsarbeit im Blick auf die „Aktion Reinhardt“ im Bundestag.

„Dennoch“? Eine andere Regierung hätte gern deutsches finanzielles Engagement und dennoch weigert sich der deutsche Bundestag zu zahlen? Hä?

Immerhin: Das Auswärtige Amt hat sich in diesem Jahr des Jubiläums nun doch durchgerungen und will eine wissenschaftliche Tagung zur „Aktion Reinhardt“ unterstützen – mit 50.000 Euro. Im Vergleich mit den Millionen, die für den Gedenkstättenbau und ihren Unterhalt benötigt werden, ein Tropfen auf den heißen Stein.

Es ist eben nie genug, wenn die Fördertöpfe einmal geöffnet wurden. Gegenstimmen kommen nicht vor, obwohl die die Befürworter natürlich auch (finanzielle) Interessen haben. Ihre Aussagen werden nicht hinterfragt. Hauptsache politisch korrekt.

Fazit

Es ist ein paar Tage her, da standen die vier hier angeführten Artikel alle auf der Eingangsseite von Deutschlandfunk.de. Es waren die Artikel, die ich angeklickt habe, weil mich das Thema interessiert hat. Es waren also nicht vier von beispielsweise 15 Artikeln, die ich angeschaut habe. Es waren vier von vier. 100 Prozent.

Es gibt vielleicht noch Journalismus beim Deutschlandfunk. Aber was ich hier sehe ist niveaulos und durchsetzt mit feministischer und politisch korrekter Propaganda. Kritische, wirklich relevante Themen werden höchstens aus Versehen angesprochen.

Ich sehe meine Forderung bestätigt: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte abgeschafft werden. Es würde Kollateralschäden geben, weil auch wertvolle journalistische Arbeit abgeschafft werden würde. Ich bin bereit das Risiko einzugehen. Weniger öffentlich alimentierte, feministische und politisch überkorrekte Propagandisten wären eine gute Nachricht.

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1 Kommentar zu „Öffentlich-rechtlicher Feminismus und politische Korrektheit“

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