Feministische Ökonomie ist Ideologie plus Forderungen

Im Onlineangebot der Frankfurter Rundschau habe ich einen Artikel über „feministische Ökonomie“ gelesen. Autorin ist Tess Herrmann, die sich als Mitglied eines „Kollektivs für Gesellschaft und Ökonomie“ bezeichnet. Sie schreibt unter der Überschrift „Feminismus nur am Rand“:

Selbst auf Konferenzen, die eine Vielfalt innerhalb der ökonomischen Lehre und Forschung fordern, sind Frauen oft unterrepräsentiert. Das muss sich ändern!

Als ein Schreibkollektiv, das sich mit feministischer Ökonomik beschäftigt und versucht, den regierenden Mainstream der Volkswirtschaftslehre auf seine blinden Flecken hinzuweisen, stoßen wir auch bei den Ökonominnen und Ökonomen, die sich ausdrücklich mit alternativen Themen auseinandersetzen, immer wieder auf Unverständnis.

Für das Verständnis ihrer Kritik wäre es wichtig zu wissen:

  • Was meint sie mit „blindem Fleck“ – welche feministischen Auffassungen in der Volkswirtschaftslehre vertritt sie denn?
  • Von welchen Konferenzen spricht sie?
  • Was sind die „ausdrücklich alternativen Themen“, mit denen sich die anderen Ökonomen auseinandersetzen?
  • Warum stößt das Schreibkollektiv mit seiner feministischen Ökonomik auch bei denen, die sich mit alternativen Themen auseinandersetzen, immer wieder auf Unverständnis?
Auf Konferenzen oder in Journals, die eine Vielfalt innerhalb der ökonomischen Lehre und Forschung fordern, sind Frauen oft unterrepräsentiert, die Perspektive der feministischen Ökonomik wird zwar meist mitgenannt, nimmt aber selten viel Platz ein.

Wird feministische Ökonomik nur von Frauen vertreten? Oder vertreten alle Frauen feministische Ökonomik? Was ist feministische Ökonomik überhaupt?

Postkeynesianismus, Marxismus und Komplexitätsökonomik sind prominente Ansätze innerhalb der heterodoxen Ökonomie. In diesen Bereichen gibt es einen deutlichen Überhang an männlichen Wissenschaftlern, außerdem werden feministische Erkenntnisse selten berücksichtigt.

Dass feministische Erkenntnisse selten berücksichtigt werden, könnte daran liegen, dass sie für die Volkswirtschaftslehre irrelevant oder abwegig sind. Ich weiß das nicht. Aber die Verbindung zu einem „Überhang männlicher Wissenschaftler“ assoziiert eine Schuld von Männern. Womit wir bei den üblichen feministischen Erklärungsmustern sind, ohne dass sie auch nur ein Wort darüber verloren hat, was sie eigentlich meint.

Zum Beispiel werden weiterhin Definitionen von Arbeit verwendet, welche die unbezahlte, meist weibliche Reproduktionsarbeit unsichtbar machen.

Nicht zu fassen, Herrmann wirft dem Leser einen inhaltlichen Brocken hin! Meist weibliche Reproduktionsarbeit? Unbezahlt? Unsichtbar machen? Ist das feministische Ökonomik?

Leider bleibt das im gesamten Artikel der einzige konkrete Hinweis. Im letzten Absatz fordert Herrmann:

…die Alternativen zur Mainstream-VWL müssen aufhören, Feministinnen an den Rand zu stellen, und anfangen, sie aktiv zu stärken.

Ah so. Warum sind Feministinnen „aktiv zu stärken“, ja warum werden sie überhaupt „an den Rand gestellt“? Alles was Herrmann gebracht hat war eine angedeutete Schuld der Männer. Also wieder das Patriarchat für alles verantwortlich?

Es ist immer dasselbe bei Feministinnen: Im Zentrum steht die Behauptung der Schuld von Männern, und dann werden dazu passende Fakten gesucht. Unpassende Fakten werden ignoriert. Gegenargumente können nach dieser Denkweise nur Schutzbehauptungen des Patriarchats sein. Das ist keine wissenschaftliche Herangehensweise. Das ist Ideologie.

Statt sich über Zusammensetzung und Themen von Konferenzen zu beschweren, könnte man eigene Theorien einbringen und mit anderen Wissenschaftlern ergebnisoffene Diskussionen führen. Vielleicht haben feministische Ökonomen das gemacht und sind bei den anderen abgeblitzt, weil ihre Theorien Schrott sind. Weil sie sich vielleicht gut zur Durchsetzung politischer Ziele eignen, aber mit Wissenschaft wenig zu tun haben. In diesem Artikel auf sueddeutsche.de bekommt man als Laie einen kleinen Einblick, was feministische Ökonomik meint und was sie politisch erreichen will:

Man könne unbezahlte Arbeit nun einmal nicht berücksichtigen, heißt es beim Statistischen Bundesamt. Das BIP solle nicht das Wohlergehen einer Gesellschaft messen, also etwa wie gleichberechtigt es zugeht. Das BIP solle als Grundlage für Entscheidungen dienen, zum Beispiel zu Steuern oder Sozialversicherung. Die unbezahlte Arbeit aber werde nicht versteuert, sei nicht sozialversicherungspflichtig. Sie würde alle Aussagen des BIPs kaputt machen. Zwar erheben Statistiker die unbezahlte Arbeit mit Hilfe von Haushaltsbefragungen, doch nur etwa alle zehn Jahre und getrennt von der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung, dem großen Gemälde der Wirtschaft eines Landes. Die Berechnungen haben keine unmittelbaren politischen Folgen.

Unmittelbare politische Folgen, dass ist es was zählt. Weiter vorn im Artikel steht, welche politischen Folgen das aus feministischer Sicht sein müssen:

Wobei es feministischen Ökonominnen im Zweifelsfall egal ist, ob mehr Menschen für mehr Geld arbeiten, für mehr Wachstum. Ihnen geht es allen voran um Gleichberechtigung.

Was in der Volkswirtschaft passiert, ist egal? Das ist keine Volkswirtschaftslehre, sondern Gender-Ideologie. Ich erahne den Grund, warum feministische Ökonomik sowohl in der Mainstream- als auch in der alternativen Volkswirtschaftslehre auf Unverständnis stößt.

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1 Kommentar zu „Feministische Ökonomie ist Ideologie plus Forderungen“

  1. Ja, selten so gelacht. Als ich in den 80ern an der HWP VWL studierte, hatten wir eine der ersten „feministischen“ Professorinnen. Schon in der zweiten Vorlesung begann sie zu lügen. Sie berichtete, wie die bösen Arbeiterführer die Arbeiterfrauen in den 1880ern aufgefordert hatten, ihren Männern zuzuhören, wenn die ihnen aus den Blättern der Arbeiterbewegung vorlasen. Das sei „Unterdrückung“ gewesen. Sie „vergaß“ aber den Kontext zu erwähnen. Arbeiterfrauen durften sich nicht organisieren, durften keinen „politischen“ Vereinen angehören (Arbeiterbildungsvereine galten während der Zeit des Sozialistengesetzes und den Jahren danach als politisch) und bekamen gerade soviel Bildung, dass sie in Professorenhaushalten als Dienstmädchen dienen konnten. Ich hab ihr das dann um die Ohren gehauen, man kann auch mit der halben Wahrheit lügen, Frau Professor! Klasse, nicht Geschlecht war ausschlaggebend. Bei den „fehlenden“ Frauen auf den Konferenzen der Ökonomen, woran liegt das wohl? Wie viele Frauen studieren den Ökonomie? Sie haben doch die freie Wahl. Und warum kommen sie nicht auf die Konferenzen? Keine Lust, oder?

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