Entwicklung in Afrika: Bevölkerungswachstum und Migrationsdruck

Eine lesenswerte Kolumne auf zeit.de: Theo Sommer schreibt über die demografische Entwicklung in Afrika und die Erwartung von Millionen Menschen, die insbesondere aus den Staaten südlich der Sahara nach Europa drängen werden.

Wohl sind eine Reihe von Ländern letzthin in die Wachstumszone von vier, ja sechs Prozent vorgestoßen, doch die Hälfte aller bitter Armen dieser Welt leben in Afrika südlich der Sahara. Jeder achte Flüchtling kam im ersten Halbjahr 2015 von dort. Dies könnte noch viel schlimmer werden. Nach den jüngsten demografischen Projektionen kommt in den nächsten Jahrzehnten ein Flüchtlingsproblem auf uns zu, das die derzeitige Herausforderung weit in den Schatten stellt.

Hier im Blog hatte sich Siggi mit dem Bevölkerungswachstum in Afrika beschäftigt. Für die „Zeit“ sind das ungewohnt klare Worte.

Die Bevölkerung der 49 afrikanischen Staaten südlich der Sahara wird sich von heute 1,2 Milliarden bis zur Jahrhundertmitte auf 2,4 Milliarden verdoppeln und bis zum Ende des Jahrhunderts auf 4,5 Milliarden vervierfachen. Es werden dann weitere Millionen sehnsuchtsvoll nach Europa blicken. Wenn bis 2050 ebenso viele Afrikaner nach Europa kommen sollten, wie seit 1950 Mexikaner in die USA auswanderten, wird ein Viertel unserer Bevölkerung dann afrikanischen Ursprungs sein, hat die New York Times den Europäern vorgerechnet. Die demografische Zeitbombe tickt. Wenn sie explodiert, werden auch wir in Deckung gehen müssen. Es gibt Befragungen, wonach ein Drittel der Erwerbsfähigen zwischen 20 und 40 Jahren erwägt, sich auf den Weg nach Europa zu machen, wenn sich keine besseren Lebensperspektiven auftun.

Die von Sommer herangezogenen Projektionen gehen von einem Rückgang der durchschnittlichen Fertilität in Afrika aus. Das ist keineswegs garantiert. Sinkt die Geburtenrate nicht, werden Bevölkerung und Migrationsdruck noch stärker steigen.

Unseren Politikern bereitet die drohende Elendsinvasion aus Afrika schon heute schlaflose Nächte. Nicht umsonst fährt die Bundeskanzlerin nach Äthiopien, nach Mali und Niger, nach Tunesien und Ägypten. Nicht von ungefähr beackert Bundesminister de Maizière den Bundestag und den Bundesrat, die Maghreb-Staaten zu sicheren Herkunftsländern zu erklären und die Regierungen in Tunesien, Algerien und Marokko für die Rücknahme von Flüchtlingen zu gewinnen, die es nach Europa geschafft haben.

Schlaflose Nächte. Unsere Politiker. Grüne und Linke sind gerade stolz darauf, im Bundesrat verhindert zu haben, dass die Maghreb-Staaten zu sicheren Herkunftsländern erklärt werden. Problembewusstsein ist auch in der Koalition nicht erkennbar. Falls der eine oder andere schlecht schläft, versteckt er es gut hinter der Fassade bedingungsloser Willkommenskultur.

Ich kann diese Art der Hintanstellung von Moral noch nicht einmal verdammen. Sie dient der Bewahrung der eigenen demokratischen Ordnung und des gesellschaftlichen Friedens in unseren Ländern.

Das ist keine „Hintanstellung von Moral“. Die Bewahrung der eigenen demokratischen Ordnung und des gesellschaftlichen Friedens bezeichnen nur die als unmoralisch, die eben diese Errungenschaften nach 70 Jahren Frieden für selbstverständlich halten und sich in arroganter Selbstüberhöhung zu Moralaposteln aufschwingen.

Wir werden uns wohl noch lange schwertun mit dem Flüchtlingsproblem. Und so sehr dieser Gedanke erschreckt: Europa könnte sich auch zu drastischen Abwehr- und Gegenmaßnahmen gezwungen sehen, sollte die neue Völkerwanderung dramatische Dimensionen annehmen.

Theo Sommer spricht das Offensichtliche aus. Auch einige Kommentare sind lesenswert. Erstaunlicherweise bleibt der große Aufschrei, bleiben die reflexartigen Nazi- und AfD-Vergleiche aus.

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3 Kommentare zu „Entwicklung in Afrika: Bevölkerungswachstum und Migrationsdruck“

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