Polygamisten in Parallelgesellschaften haben’s auch nicht leicht

Mohamed Amjahid hat sich für die Zeit auf die Suche nach Polygamisten gemacht. Die BILD-Zeitung hatte berichtet, dass fast jeder dritte arabische Mann in Berlin-Neukölln zwei Frauen habe.

Er klappert Hinterhofmoscheen auf der Sonnenallee ab, spricht mit einem Imam, dem Rathaus, der Arbeitsagentur und Integrationsvereinen. Er findet keinen einzigen. Das überrascht mich dann doch. Keiner der fast 5.000 arabischstämmigen Männer in Neukölln hat mehr als eine Frau? Kann es sein, dass Polygamie nicht an die große Glocke gehangen wird? Dass insbesondere gegenüber der Presse eher geschwiegen wird?

Halt – nach mehr als einer Woche Recherche und Herumfragen gelingt es ihm, „über drei Ecken“ mit einem Mann, der zwei Frauen hat, zu sprechen. Aber ach, es handelt sich um einen leidgeprüften Polygamisten.

Ismail hat sich mit seiner Ehefrau zerstritten – schon wieder. Es ging um die Höhe des Haushaltsgelds, dann wurden beide lauter, die Kinder heulten, mehr verrät er nicht.

Ismail will bei seiner anderen Frau übernachten.

Er spricht das so routiniert aus, als sei die Vielweiberei die normalste Sache der Welt. Die erste Frau, erzählt er, habe er erst islamisch in einer Moschee und danach vor einem deutschen Standesamt geheiratet, die zweite Frau lediglich islamisch.

Polygamie scheint wohl doch verbreiteter zu sein als Mohamed Amjahid zunächst annahm.

Er spricht nicht gern über sein Privatleben. Ein biodeutscher Kollege bei der Arbeit habe ihn schief angeschaut, als er von seinen beiden Ehefrauen gesprochen habe. Seitdem sei er vorsichtiger geworden.

Könnte das ein Grund sein, weshalb Amjahid eine Woche durch Neukölln gelaufen ist, bis er einen Araber mit mehreren Frauen ausfindig machen konnte?

„Dabei huren die Deutschen ja auch die ganze Zeit herum – nur ohne die Frauen zu heiraten“, sagt Ismail.

Wieso auch? Ist Vielweiberei herumhuren? Und huren deutsche Männer „die ganze Zeit“ herum und haben außerehelichen Sex? Diese Bemerkung zeigt, was der arabische Mann von der monogamen Lebensweise hält: Er verachtet sie. Alles deutsche Herumhurer, die arabischen Männer heiraten die Frauen wenigstens. Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht Quatsch, aber Mohamed Amjahid hinterfragt das nicht und er ordnet es auch nicht für den Leser ein. Er ist ganz damit beschäftigt zu schildern, wie bedauernswert das Leben aufopferungsvoller arabischer Männer in Polygamie ist.

Seine Zweitfrau sei auch böse auf ihn, sagt Ismail, er habe sich schon seit einer Woche nicht bei ihr blicken lassen. Ihren Kinderwunsch könne er ihr nicht erfüllen, da seine beiden Töchter aus der ersten Ehe schon so viel kosten würden. Deswegen sitze seine Zweitfrau oft allein in ihrer kleinen Wohnung.

Wir erfahren noch, dass Ismail Schuldgefühle hat, weil er seine Frauen wie eine Haupt- und eine Nebenfrau behandle, obwohl die Scharia besage, dass alle Ehefrauen gleich behandelt werden sollen. Der Mann kann einem wirklich leid tun.

Der Zeit-Autor stellt fest:

Von den Tausenden Polygamisten, die angeblich in Neukölln leben, habe ich nach tagelanger Suche genau einen gefunden.

Der Familienhelfer in einem arabischen Integrationsverein, auf den die Zahl an Polygamisten wohl zurückgeht, stellt im Interview klar:

„Die Journalisten, mit denen ich gesprochen habe, lügen, oder sie haben mich missverstanden“, sagt Chaaban. Er habe vor Jahren mal einem Reporter erzählt, dass 30 Prozent der arabischen Ehen mit einer Scheidung endeten. „Von Polygamie war nie die Rede.“

Soll das jetzt heißen, dass Polygamie in Neukölln die absolute Ausnahme ist? Das scheint Amjahid sagen zu wollen, es lässt sich seinem Artikel aber nicht entnehmen.

Mir ist egal, wie Menschen in Deutschland ihre Beziehung gestalten. Ich persönlich bevorzuge eine Zweierbeziehung auf Augenhöhe, die auf Freiwilligkeit beruht. Mich beunruhigt, dass der Artikel zeigt, wie wenig sich arabische Männer mitten in der deutschen Hauptstadt um die Gepflogenheiten im westlich-europäischen Kulturraum scheren. Bereits die Bigamie, also das Eingehen einer zweiten Ehe, ist in Deutschland gemäß § 1306 BGB unzulässig und wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe bestraft. Grundsätzlich ist nur die Schließung einer weiteren Ehe strafrechtlich verboten, nicht die Führung der Ehe an sich. Also wird die zweite Frau islamisch geheiratet. Diese nicht-standesamtliche Eheschließung verpflichtet die Partner nach deutschem Recht zu nichts – es können z.B. keine Unterhaltsansprüche geltend gemacht werden.

So existieren in unseren Großstädten Parallelgesellschaften mit eigenen Regeln, mit Rechten und Pflichten für die Partner allein nach islamischem Recht.

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1 Kommentar zu „Polygamisten in Parallelgesellschaften haben’s auch nicht leicht“

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