Zeit-Autorin kann von Facebook-Zensur gar nicht genug bekommen

Eine Khuê Pham schreibt auf zeit.de einen offenen Brief an Mark Zuckerberg. Der Artikel stammt aus der ZEIT Nr. 11 vom 9.3.2017. Sie regt sich darüber auf, dass sich Facebook gegen den Antrag auf Erlass einer einstweiligen Verfügung gewehrt und damit vor dem Landgericht Würzburg erfolgreich war.

Es geht um einen Syrer, der gegen den Missbrauch eines Selfies mit der Bundeskanzlerin vorgeht. Es wurden Fotomontagen erstellt, die ihn mit Verbrechen in Zusammenhang bringen. Es ist sehr leicht ihrer Position zu solchen zirkulierenden Bildern zuzustimmen. Als Einzelperson hat er praktisch keine Chance, alle Kopien sofort nach dem Auftauchen zu finden und erneut zu melden.

Also wenn diese Bilder solche Rechte (nicht Copyright oder andere Lappalien) verletzen, dann ist eine technische Lösung wünschenswert. Natürlich mit der Möglichkeit sich zu melden, falls ein Bild fälschlicherweise für eine Kopie gehalten und gelöscht wurde.

Ob es eine solche automatische, technische Lösung gibt, die gerichtssicher löscht und ob es klug von Facebook wäre, sich darauf festnageln zu lassen, ist eine andere Frage. Es ist unfair Facebook vorzuwerfen, dass sie dieses juristische Risiko nicht tragen wollen.

Khuê Pham schreibt:

Wahrscheinlich ging es in diesem Prozess nur vordergründig um technische oder juristische Fragen. In Wahrheit wurde etwas Grundsätzliches verhandelt: Ist Facebook ein neutraler „Host-Provider“, wie es in dem Urteil heißt? Oder eine Gemeinschaft mit Werten, wie ich als Nutzerin meine?

Und auf einmal wird wegen eines berechtigten Einzelfalls, in dem wichtige Rechte verletzt werden, aus einem „Host-Provider“ eine „Gemeinschaft von Werten“. Was passiert mit denen, die die Werte Frau Phams nicht teilen? Dürfen die nicht mehr Teil der Gemeinschaft Facebook sein?

Für mich klingt das nicht nach Host-Provider. Sondern nach Weltverbesserer!

Ist Khuê Pham nicht in der Lage, zwischen Mark Zuckerberg als (natürlicher) Person und Facebook als (juristischer) Person zu unterscheiden? Mark Zuckerberg kann persönliche Ziele haben, das bedeutet aber nicht, dass er seine Firma benutzen muss um die Welt zu verbessern. Wie attraktiv ist Facebook für seine Nutzer, wenn proaktiv zensiert wird?

Sie bezieht sich dabei auf ein Essay von Zuckerberg, in dem er sich für mehr globalen Zusammenhalt ausspricht. Warum sich daraus folgern lassen soll, dass es nicht um technische oder juristische Fragen gehe, erklärt sie nicht. Dass Facebook kein neutraler Host-Provider, sondern eine „Gemeinschaft mit Werten“ sein soll, ist eine gefährliche Auffassung.

Ich finde es richtig, dass Du Dich nicht auf eine Position der technischen Neutralität zurückziehst, sondern politisch denkst. Aber politisch zu sein bedeutet auch, sich an seinen Idealen messen zu lassen. Ich frage mich, warum Du so viel Selbstbewusstsein zeigst, wenn es um Klimawandel, Terrorismus oder Krankheiten geht, und so wenig Verantwortungsgefühl, wenn es um Fake-News, Hate-Speech und Cybermobbing geht. Warum muss man als Betroffener immer erst die Gerichte bemühen, damit überhaupt etwas passiert?

Ja, warum nur? Warum zensiert Facebook nicht einfach alles, was Facebook oder irgend jemand anderes für Fake-News, Hate-Speech und Cybermobbing hält?

Ich bin dankbar, dass Facebook das (noch) nicht tut. Ich möchte nicht, dass wir unsere Freiheit über Bord werfen, nur weil es um die Durchsetzung der „richtigen“ Ideale geht.

Warum spielt sich Facebook wie eine autoritäre Regierung auf, wenn es um die Demokratie von unten geht? Das, lieber Mark, gefällt mir ganz und gar nicht.

Deine Khuê

Eine autoritäre Regierung würde, wie von Khuê Pham verlangt, Beiträge filtern und löschen. Das macht Facebook im Übrigen bereits, sie scannen nur nicht aktiv, sondern löschen Inhalte, die ihnen als rechtswidrig gemeldet werden.

Und was hat das mit „Demokratie von unten“ zu tun? Meint Khuê Pham, wenn eine Mehrheit für das Löschen von Inhalten stimmt, sollte Facebook sich dem beugen? Oder meint sie, Facebook sollte aktiv nach Inhalten scannen, die einer Mehrheit von Facebook-Nutzern ganz und gar nicht gefällt?

Das, liebe Khuê, ist das Gegenteil von Demokratie.

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2 Kommentare zu „Zeit-Autorin kann von Facebook-Zensur gar nicht genug bekommen“

  1. Noch so ne Doppelquotenkreatur, die durch Schule und Uni bis zum Job in einer großen Redaktion durchgehypt wurde um da alles abzusondern, was sie auf dem Weg dorthin an politisch korrekter Sonderbehandlung erfuhr und sich jetzt stromlinienförmig gebürstet auf einen cw-Wert unter 0 kritiklos mit dem bedankt, was man von ihr erwartet, um denkenden Menschen den Mund und das Gehirn zu verbieten.
    Ein Glück sind die alle ohne ein linksgrünversifftes Förderungsbiotop nicht lebensfähig und die Zeiten werden härter.
    Fünf Tage ohne Strom und die stirbt freiwiillig heulend unterm Schreibtisch.

    Gefällt mir

  2. Die Forderungen dieser Pham sind auch wieder ein Musterbeispiel der Unlogik von Ideologen.
    Warum sollen die Leute, die eine Plattform stellen, für das Verhalten der Nutzer dieser Plattform verantwortlich gemacht werden.
    Nach dieser „Logik“ müsste man ja die Straßenbauer z.B. für die Verkehrsunfälle verantwortlich machen und nicht mehr die Autofahrer, die auf den Straßen fahren.
    Gerade die, die am lautesten auf die Plattformbetreiber schimpfen sind die, die auf die Plattform am nötigsten angewiesen sind.
    Wenn man solchen Individuen die Plattform mal unterm Hintern wegziehen würde, hätten die gar keine Möglichkeit mehr, sich zu artikulieren.
    Die Kommunikationsanbieter sollten mal für eine Woche alles abschalten, dann wäre wahrscheinlich das Meiste von selbst erledigt.
    Technische Filter halte ich maximal auf der ebene von Begriffen sinnvoll, die tatsächlich Strafrechtlich relevant sind.
    Wenn z.B. zu Mord aufgerufen wird.
    Und dann sollten diese Filter aber auch Alles mit solchen Aufrufen filtern, dass dann Mordaufrufe von Antifa und IS ebenfalls gelöscht werden und nicht nur von angeblichen Nazis.

    Gefällt 1 Person

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