Vegane Fanatikerin auf heiliger Mission

„Kann man Tiere respektvoll essen?“, fragt die Veganerin Hilal Sezgin in ihrer Kolumne auf fr.de. Ich halte den Text zunächst für Satire. Nach kurzer Recherche dämmert mir: Sie meint das ernst. Aber der Reihe nach.

Hilal Sezgin ist von Fleischessern ziemlich genervt. Schon nach den ersten Zeilen ist klar: Hier schreibt die Beste unter den Menschen. Sie fährt in einem eigens dafür angeschafften klimatisierten Tiermobil ihre Tiere zur Tierklinik und zurück.

Auch meine 35 Schafe und zwei Ziegen werden nämlich allmählich älter. Dabei sprachen Tierärzte schon vor Jahren neckend von meiner „geriatrischen“ Abteilung, weil Schafe anderswo ja leider früh aufgegessen werden und ein Alter über sechs Jahren eher ungewöhnlich ist.

Vor Rührung rollt mir eine Träne über das Gesicht.

Drei Schafen musste ich dort zum Beispiel die Kaufläche der Backenzähne abschleifen lassen. Denn mit den Jahren können überstehende Zahnspitzen entstehen, die das Wiederkäuen behindern. Zur Behandlung müssen die Patienten sediert werden, also ab in die KlfklKl mit dem Transporter, dessen Innenraum an allen Wänden entsprechend gepolstert und schafsgerecht verkleiner- oder vergrößerbar ist.

Hilal Sezgin, die Beste unter den Menschen, hat auch das artgerechteste Transportfahrzeug der Welt. Für noch moralisch unangreifbarer kann sich ein Mensch wohl nicht halten. „KlfklKl“ steht übrigens für die „Klinik für kleine Klauentiere“ der Tierärztlichen Hochschule in Hannover.

Das Fahrzeug ist weiß, weil das bei sommerlichen Staus auf der Autobahn am besten ist, was ihr leider nach dem Kauf „unerträglich“ war, wie sie schreibt.

Ich entwickelte mehrere Ideen, wie man dem farblich beikommen könnte – mit aufgemalten Tatzen, Vogelspuren und Schweineklauenabdrücken oder mit gesprayten politischen Parolen pro freie Migration.

Es geht immer noch besser – wer durch und durch gut ist, bekehrt seine Mitmenschen auch mit den richtigen politischen Parolen. Falls Hilal Sezgin ihren Willen bekommt, es zu freier Migration kommt, die Millionen migrationswilligen Menschen aus Afrika und dem Nahen Osten eingewandert sind und die staatliche Ordnung in Deutschland zusammengebrochen ist, sehe ich mir mit eigenen Augen an, was mit den in Würde alt gewordenen Schafen und Ziegen auf ihrer Öko-Weide passiert.

Also entwarf ich mit einem Grafikprogramm Aufkleber. Ihr Durchmesser beträgt jeweils 50 cm, sie sind lila, und in weißer Schrift steht auf dem einen: „Wer Tiere achtet, isst keine“ und auf dem anderen „Wer Tiere liebt, lebt vegan“.

Das ist zuviel. Jetzt steigt sie mir die Speiseröhre hoch, die Kotze. Die belehrenden Aufkleber sind einen halben Meter groß und teilen die Welt in gute und böse Menschen. Isst jemand Fleisch, kann es nicht sein, dass er Tiere „achtet“. Mein Nachbar, der Vegetarier, der kein Fleisch isst aber Milch trinkt, „liebt“ Tiere also nicht wirklich. Das tun nur Veganer. Die Beste unter den Menschen hat die Moral für sich gepachtet.

Für sie kommt es im Leben vor allem darauf an, Tiere zu achten und zu lieben. Das ist also das aktuell drängende Problem unserer Gesellschaft. Dass es Menschen gibt, deren Moralverständnis sich an anderen Dingen ausrichtet, passt nicht in ihre Gedankenwelt. Und sie will die Welt mit halbmetergroßen Aufklebern missionieren. Sie diskutiert mit Fleischessern, um sie zu bekehren. Da fragt jemand:

„Was steht denn da auf deinem Auto?“ Buchstabier, buchstabier… „Hey, aber ich achte Tiere schon! Essen tu ich sie trotzdem gern.“

Ja, so denken unbekehrte Menschen: Sie verstehen es nicht.

„Dann achtest du sie wohl nicht doll genug.“

Es ist kaum zu fassen, sie argumentiert auf Kindergartenniveau und in Kindergartensprache. Die Welt ist einfach und klein, schwarz und weiß.

„Wenn man jemanden achtet, tötet man ihn ja nicht, oder? Man sperrt ihn nicht ein, man nimmt ihm nicht die Kinder weg, man bringt ihn nicht um.“

Für Hilal Sezgins kleinkindhaftes Gemüt sind Tiere auch Menschen. Sie meint mit „jemand“ nicht eine Person oder einen Menschen, da liegt der Duden wohl falsch. Menschen sind böse, Tiere können sprechen und Karnivoren reißen Familien auseinander.

In diesem Stil geht es weiter. Ich erfahre, dass auch die Beste unter den Menschen manchmal genervt ist. Von Fleischessern! Was für eine Überraschung.

Ich weiß, Fleischesser finden uns Veganer oft nervig, aber an dem Punkt finde ich Fleischesser ebenfalls ziemlich nervig. Denn, liebe Leute, mal ehrlich: Wenn Achtung und Respekt bedeuten, dass man jemandem die Faust ins Gesicht schlagen respektive das Fleischermesser in die Schlagader rammen darf, können wir diese Wörter gleich wegschmeißen. Die kommen dann in die Kiste mit dem „post-faktisch“.

Nein, Fleischesser finden euch Veganer kein bisschen nervig. Es nerven nur die, die glauben, sie hätten die allein selig machende Wahrheit gepachtet – und die einem das bei jeder Gelegenheit erklären.

Das ist für Hilal Sezgin das nervige an Fleischessern wie mir: Ich verstehe einfach nicht, dass ich Tiere nicht liebe und achte. Und das wiederum ist wie einem Menschen die Faust ins Gesicht zu schlagen oder ein Fleischermesser in die Schlagader zu rammen. Juristisch nennt man letzteres Mord. Ich esse Fleisch, also bin ich für Hilal Sezgin ein Mörder.

Wörter, die wir „gleich wegschmeißen“ können, kommen „in die Kiste mit dem ,post-faktisch'“. Wollte sie das Wort unbedingt im Text unterbringen? Schreiben jetzt alle drüber, post-faktisch, muss rein in die vegane Kolumne?

Jetzt bin ich mal gespannt, was ich erlebe, wenn ich nächstes Mal bei der hiesigen Kleintierklinik Tabletten abhole. Was ich im Wartezimmer so mitkriege, mampfen die Herrchen und Frauchen Fleisch, als hätten sie nicht den geringsten Schimmer, dass auch Tiere liebenswerte Individuen sind. „Wer Tiere achtet/liebt…“ Hätte echt nicht gedacht, dass das so schwierig ist.

Liebe Hilal Sezgin, das erscheint dir so schwierig weil du die Fanatikerin bist.

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4 Kommentare zu „Vegane Fanatikerin auf heiliger Mission“

  1. Tja, mit dem Namen sollte sie vielleicht erstmal bei ihren Landsleuten Diskussionen ums Schächten führen. Angefangen beim örtlichen Imam.

    Im ernst, ich war 26 Jahre Vegetarier, hab ich mal experimentell angefangen und bin bis letztes Jahr dabei geblieben. Und jetzt gern beendet. Es gibt und gab Gründe, erörtere ich gerne privat.
    Als ich das anfing, hab ich mir den selben Vorsatz gemacht, wie beim Aufhören mit dem Rauchen. Der Vorsatz und Grundsatz war und ist: Du missionierst nicht damit.
    Jeder soll in deiner Gegenwart eine Zigarette geniessen können. Als ich noch Raucher war, waren die Exraucher mit dem Missionstrip das nervigste Überhaupt und so wollte ich auf keinen Fall werden. Habe ich bis heute durchgehalten. In meinem Wohnzimmer darf geraucht werden. Mit dem Fleisch hab ichs ebenso gehalten. Hat mir alle Freunde erhalten. Und jetzt, wo ich wieder Fleisch esse, halte ich es ebenso mit den Vegetariern unter meinen Freunden.
    Und wer wissen will, was der Unterschied ist: Die Mangelerscheinungen gehen zurück. (Ok, als Vegetarier hab ich mich oft (körperlich) sauberer gefühlt. Das wars auch schon. Kindern kann man Fleisch übrigend nicht vorenthalten, ohne sie massiv zu schädigen. Gilt als Körperverletzung und ist ein Grund für Kindesentzug.
    Typen wie das verirrte Menschenkind in dem Artikel machen einen Fehler, der wie eine Seuche um sich greift: Was für einen gut ist, ist noch lange nicht für alle und jeden gut. Was einem ein gutes Gefühl gibt, kann ein Land und eine Kultur zerstören. (Gutmenschentum.) Übrigens war Hitler auch Vegetarier. War immer ein gutes Argument bei manchen Kameraden. Wohl bekomms!

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  2. Anderen Menschen nicht unnötig auf den Kranz gehen – eine gute Einstellung. Funktioniert nur bei manchen nicht – die sind so klug und moralisch überlegen, das platzt einfach aus ihnen heraus…

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  3. Beim Anschauen von „Urban Exploration“ Fotostrecken habe ich mich öfter gefragt, warum die um Himmels Willen Anfang des 19 Jahrhunderts so viele riesige Psychatrien gebaut haben, wie kleine Städte mit Theater und Frisörsalon.
    Und wer waren die vielen „Insassen“?
    Ich weiß, glaub ich, jetzt die Antwort. 🙂
    Und was ist heute mit den vielen potentiellen „Insassen“, die ja jetzt frei herumlaufen.
    Ich befürchte, ich weiß auch diese Antwort. Nennen sich SJWs und terrorisieren die Gesellschaft.
    Leute, lasst die Läden nicht weiter verfallen, macht sie wieder auf. Kundschaft ist genügend vorhanden. 😉
    (Ironie OFF)

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  4. Mein Lieblingsgemüse heißt: Fleisch!

    Nee, im Ernst.
    Man kann Tiere nicht nur respektvoll essen, man sollte das sogar.
    Ich behaupte, das ist leckerer und wahrscheinlich auch gesünder.
    Ein wenig Bewußtsein hilft dabei übrigens gewaltig.
    Das ist eine Erfahrung von mir und zwar eine, die mir sehr wichtig ist, auch wenn es mich schon nervt, jetzt den Separatorenmus aus’m Ghettomarkt zu essen, der ist nämlich nicht so lecker und auch das halte ich im Bewußtsein. Aber ich hatte mal die Gelegenheit einigermaßen ordentlich aufgezogene und geschlachtete Tiere zu verspeisen. Einige dabei, die ich ihr ganzes Leben lang und mit Namen kannte. Das waren die leckersten überhaupt, sozusagen mit eingebautem Wohlfühlfaktor. Es war mir ein Genuß, sie gekannt zu haben. Auch post mortem.

    Die Widersprüche bei dieser Aliendame von der Vega ( wieso ist die eigentlich hierher nach Terra gekommen? ) sind ja sehr auffällig. Sie will, daß Menschen überall hin- u. herreisen können, sich wo sie wollen – auch auf dem Land das schon besetzt ist – niederlassen können. Okay, halte ich für respektlos, aber: Ihre Tiere betrachtet sie als Besitz, den sie zwar angebl. liebt, aber denn doch lieber einsperrt. Und missioniert für beides, das Besetzen fremden Eigentums und das Einsperren des eigenen.
    Wie @Gereon schon richtig anmerkte, der Missionarismus macht’s!
    Ratet mal was der Ursprung so ziemlich jeder größeren kriegerischen Handlung auf der Welt ist. Bingo! Zwangsbeglückung vermeintlich armer, ignoranter Nachbarn, o. auch weiter entfernt lebender Menschen. Also „freie“ missionarische Migration!

    Btw.: Auch und gerade ein Nutztier altert, wie die Fleisch- u. Omnivorenverächterin selbst festellen muß. Es ist nicht dafür ausgelegt, da i.d.R. jahrhundertelang durch Zucht für den menschlichen Genuß optimiert.
    Sie siechen z.T. jahrelang vor sich hin und müssen immer öfter mit dem klfkk-Dingens-Mobil in die Klinik u. wieder zurückgeschleift werden, das stresst die Tiere. Zähne abschleifen, Medis in den Hals geschoben bekommen u.s.w…… Nix mit „goldener Tierherbst“ und so. Ein unbemerkter, sauberer Schuss, oder – bei Kleinvieh – Schlag mit dem Knüppel und das Tier stirbt glücklich. Ich, als schon recht verschlissener oller Sack beneide die Viecher darum ( besonders seit ich kein schnelles Moped mehr habe, das hilft nämlich auch, wenn man damit umgehen kann ).

    Fazit: Die Dame halte ich nicht für Hilal, eher Haram. Sie hat ihre Tiere nur in ihrer übersteigerten Fantasie lieb, tatsächlich liebt sie nur sich selbst und instrumentalisiert ihre Mitmenschen u. -tiere für niedere Zwecke, um sich ihre eigene Märchenwelt auf deren Kosten zu basteln.
    Und ja, es gibt äußerst nervige Vegatypen, was u.a. leicht an vermindertem Ernährungsbewußtsein und entsprechenden Stoffwechseldefiziten liegen kann.

    So! Eier habe ich heute nur die eigenen im Haus ( und die brauche ja vielleicht nochmal ), also gibbet gleich Pommes mit kleingeschnibbelter Salami ( von Rewe, aber der Hunger drückt’s rein ).
    Mahlzeit!

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