Linke – Traumtänzer auf dem Rücken der Menschen

Ein Artikel bei Heise.de macht mich wütend. Er wurde aus dem Italienischen übersetzt, neben dem Autor (Diego Fusaro) müssen ihn also weitere Menschen gut genug gefunden haben um ihn zu übersetzen und bei Telepolis zu publizieren.

Die Hochschule soll nicht Jobs verschaffen,

Soll sie nicht? Welche anderen Gründe gibt es dann für die Gesellschaft, die Hochschule zu finanzieren?

die im Übrigen heute flexibel und prekär sind: Sie muss gebildete und fähige Menschen erziehen, die sich ihrer eigenen Geschichte und der eigenen Zukunftsaussichten bewusst sind.

Sind alle Jobs, die einen Hochschulabschluss voraussetzen, „flexibel und prekär“? Im weiteren Text wird der Philosoph John Stuart Mill als Autorität dafür herangezogen, zu bestimmen, wofür Universitäten benötigt werden:

„Die Universität ist nicht darauf ausgerichtet, das Wissen zu lehren, das für eine bestimmte Weise, den Lebensunterhalt zu bestreiten, notwendig ist. Es ist nicht ihr Zweck, kompetente Anwälte, Ärzte oder Ingenieure auszubilden, sondern gebildete und fähige Menschen.“

Das ist dumm. Ich bin kein Philosoph, aber wenn ich Menschen ausbilde, und die können danach nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten, dann ist das eine sinnlose Ausbildung. Auch wenn man als Philosoph arbeitet, muss die Ausbildung nicht geeignet sein, Menschen für diese Arbeit (z. B. in der Wissenschaft) zu qualifizieren?

Wenn Diego Fusaro auf dem OP-Tisch liegt, möchte er dann einen „gebildeten und fähigen Menschen“ als Arzt haben, oder einen kompetenten Arzt? Soll die Statik seiner Wohnung von einem Ingenieur oder von einem Idioten berechnet worden sein?

Die Universität – warnt Mill – soll nicht Jobs verschaffen, sie muss hingegen gebildete und fähige Menschen heranbilden, die sich, fügen wir hinzu, ihrer eigenen Geschichte und der eigenen Zukunftsaussichten, ihrer Wurzeln und der eigenen Pläne bewusst sind; d.h. kritische und denkende Köpfe, die nicht nur berechnen, sondern in der Lage sind, falls erforderlich, gegen die heute dominante Ordnung der vollständigen Daseinsfälschung zu protestieren.

Zweck der Universität bleibt, laut Mill, die Förderung freier, denkender Individualitäten: Ihre Nützlichkeit besteht darin, Menschen auszubilden, die niemandem und nichts nützen, die also im höchsten Sinne des Wortes frei sind. Das Telos der Universität – nach Mills Worten – ist, das Wachstum „gebildeter und fähiger Menschen“ zu fördern: Die Betonung liegt auf „Kultur“, auf „Fähigkeit“, sich in der Welt behaupten zu können, und vor allem auf „Menschen“.

Die Arroganz, mit der der Autor für Leute wie sich selbst ein Leben ohne Verpflichtungen einfordert – bei Alimentierung durch den Rest der Gesellschaft -, stößt mich ab. Die Krankenschwester im Schichtdienst, der Betonbauer und der Taxifahrer sollen solche Witzfiguren mit ihren Steuern unterhalten, während sie keinen messbaren Beitrag zur Gesellschaft leisten und bereits die Forderung nach einem Beitrag rundheraus ablehnen.

Der Text entlavrt, was die heutige Linke bereit ist, für den von ihnen beschworenen Klassenkampf zu investieren: Warme Worte. Und auch die nur, wenn sie dafür bezahlt werden.

Universitäten sollen aus Diego Fusaros Sicht nicht für die Ausübung eines Berufes qualifizieren. Der Text enthält aber keine Sachargumente dafür. Für eine staatliche Alimentation dieser Art von Universitäten natürlich auch nicht. Der Autor muss sich einer (mutmaßlichen) Autorität bedienen, um überhaupt etwas in der Hand zu haben.

Nur ganz nebenbei möchte ich anmerken, dass der Text sogar dann Schrott ist, wenn man sich auf die Argumentation des Autoren einlässt. Autor Diego Fusaro hat sich die Zitate aus der Rede von John Stuart Mill nämlich so herausgesucht, dass sie seinen Wunsch widerspiegeln. Tatsächlich war die Bedeutung des Wortes „Universität“ im englischen Sprachraum zur damaligen Zeit einfach eine andere. John Stuart Mill geht von einer professionellen Hochschulausbildung aus, die natürlich für einen Job qualifizieren soll. Die Universität soll dazu nur zusätzlich Allgemeinbildung vermitteln:

Universities are not intended to teach the knowledge required to fit men for some special mode of gaining their livelihood. Their object is not to make skilful lawyers, or physicians, or engineers, but capable and cultivated human beings. It is very right that there should be public facilities for the study of professions. It is well that there should be Schools of Law, and of Medicine, and it would be well if there were schools of engineering, and the industrial arts.[…]

Men are men before they are lawyers, or physicians, or merchants, or manufacturers; and if you make them capable and sensible men, they will make themselves capable and sensible lawyers or physicians. What professional men should carry away with them from an University, is not professional knowledge, but that which should direct the use of their professional knowledge, and bring the light of general culture to illuminate the technicalities of a special pursuit. Men may be competent lawyers without general education, but it depends on general education to make them philosophic lawyers who demand, and are capable of apprehending, principles, instead of merely cramming their memory with details. And so of all other useful pursuits, mechanical included. Education makes a man a more intelligent shoemaker, if that be his occupation, but not by teaching him how to make shoes; it does so by the mental exercise it gives, and the habits it impresses.

Und natürlich begründet John Stuart Mill seine Aussagen. Aus seiner Sicht sind die auch allgemein gebildeten Spezialisten die besseren Spezialisten. Er hebt sich deutlich von Diego Fusaro ab.

Damit bleibt vom Text nichts übrig. Er enthält keine Begründung dafür, warum die Gesellschaft Menschen wie Diego Fusaro finanzieren sollte. Die Autorität, die er heranzieht, um seinen Standpunkt zu begründen, stützt seinen Standpunkt nicht.

Dass solche Texte es trotz dieser Leere in linke Medien wie Telepolis schaffen, sagt viel über die aktuelle Linke aus. Sie hält Argumenten nicht stand, darum verlegt sie sich auf Geseier.

Ein echtes Schmankerl ist dann noch die Beschreibung des Autors:

Diego Fusaro, 1983 in Turin geboren, lehrt Philosophie an der Mailänder Universität. Als unabhängiger Freidenker, intellektueller Dissident, der politisch weder rechts noch links anzusetzen ist, verblüfft er seit geraumer Zeit ganz Italien mit seiner eigenwilligen, neoidealistischen Auslegung des Marxschen Gedanken. In seinen Büchern beschreibt er die Widersprüche des Systems und des Lebens des postmodernen Menschen.

Dass er weder links noch rechts einzuordnen ist, wird durch das nachfolgende „neoidealistischen Auslegung des Marxschen Gedanken“ widerlegt. Und wen genau er in Italien „verblüfft“, will ich gar nicht wissen. Für mich liest sich das wie jemand, der sich selbst für einen Rebellen hält – mit einem sicheren Job.

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10 Kommentare zu „Linke – Traumtänzer auf dem Rücken der Menschen“

  1. „neoidealistischen Auslegung des Marxschen Gedanken“ und „des postmodernen Menschen“ sind schon eindeutige Hinweise darauf, dass es sich um einen Labersack handelt.

    Die Aussagen Mills muss man im Kontext seiner Zeit betrachten. Die Universitaeten waren mal ein Mittel zur Elitenauswahl. Es sollte heraus gefiltert werden wer ueberhaupt zum Denken – insbesondere kritischen Denken – in der Lage ist, und demnach in hoeheren gesellschaftlichen Positionen auch zum Allgemeinwohl beitragen koennte.

    Wenn man sich so anschaut was bei uns Politiker wird und hoeherer Beamter, und damit die Geschicke des ganzen Volkes lenkt, dann waere es wuenschenswert, wenn da eine universitaere Vorauswahl vorher die Befaehigung zum Denken festgestellt haette. (Oder wie Danisch immer sagt: Wer waehlt so was?)

    Auf der einen Seite haben wir Berufsausbildungen zum Mediziner, Chemiker, Ingenieur usw. die mit dem universitaeren Gedanken eigentlich nichts zu tun haben. Auf der anderen Seite haben wir faktenbefreite Sozioschwaller, die sich ein Recht auf lebenslange Alimentierung qua Steuerzahler einbilden.

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  2. „Ein Artikel bei Heise.de macht mich wütend.“

    Das ist aus meiner Sicht schwer nachzuvollziehen. Die Institution der Universität ist allerdings nicht dazu da, für den Arbeitsmarkt auszubilden. Sowas sollte an den Fachhochschulen geschehen, in denen akademische Fähigkeiten gezielt für akademische Anforderungen in verkürzter Zeit (3 Jahre) für den aktuellen Arbeitsmarkt spezialisiert werden.

    An der Universität hingegen werden Antworten auf Fragen gesucht, die bisher nicht zur Verfügung standen, hier wird vollkommen Neues gemacht und erforscht.

    Die neoliberale Politik der letzten 30 Jahre hingegen hat alles getan, um – ganz in deinem Sinne – die Universitäten zur Ausbildungsstätten zu machen. Entsprechend wurde die Bologna-Reform durchgeführt und die Fachhochschulen formal abgeschafft.

    „Welche anderen Gründe gibt es dann für die Gesellschaft, die Hochschule zu finanzieren?“

    Welche Gründe könnte es denn geben, sich nicht der universellen Selbstvermarkung hinzugeben, der kommerziellen Selbstausbeutung Grenzen zu setzen und sein Selbstverständnis außerhalb von Konsumgewohnheiten zu suchen?

    „Das ist dumm.“

    Eigentlich ist es nur unvollständig, Dummheit kann ich – obwohl ich sonst kein Fan von J.S.Mill bin – nicht erkennen. Worin könnte sie liegen.

    „Ich bin kein Philosoph“

    Das dürfte nach diesem post unbesteitbar sein.

    „aber wenn ich Menschen ausbilde, und die können danach nicht ihren Lebensunterhalt bestreiten, dann ist das eine sinnlose Ausbildung.“

    Ein offensichtlicher – allerdings akademischer – Einwand: Was Maß, in dem universitär Ausgebildete danach in prekäre Jobs rutschen, mißt gerade die Rückständigkeit der diese Leute verwertenden Ökonomie.

    Deutlich unakademischer: Ausbildung zielt auf wahre Aussagen. Sie ist also erfolgreich, wenn die Ausgebildeten wahre von falschen Aussagen unterscheiden können oder selbst neue, wahre Aussagen formulieren können. Die Wirtschaft kann von dieser Fähigkeit Gebrauch machen und sich ökonomische Verwertungsmöglichkeiten dafür ausdenken – das ist nun mal ihr verdammter und sehr unakademischer Job – oder sie kann es lassen. Wenn also Akademiker keinen Job finden, dann ist nicht die Ausbidlung sinnlos, sondern sie zeigen selbst nicht genug Unternehmergeist. Da liegt das Problem – nicht bei der Uni.

    „Auch wenn man als Philosoph arbeitet, muss die Ausbildung nicht geeignet sein, Menschen für diese Arbeit (z. B. in der Wissenschaft) zu qualifizieren?“

    Philosophen sind die professioniellen Rätsellöser einer Kultur, die sich auf ihrer aktuellen Zivilisationsstufe bestimmte Fragen stellt wie z.B. „Sind besondere Rechte einer Gruppe, die den Individualrechten vorgehen, moralisch zulässig?“ oder „Können Computer denken?“ oder etwas in der Art. Philosophie zu studieren, macht diese Leute zur Beantwortung solcher Fragen im günstigsten Fall geeignet. Aber daraus folgt nicht, daß die Gesellschaft bereit ist, für diese Antworten auch Geld zu bezahlen. Wer als Philosophie studiert, kann hervorragend ausgebildet werden, aber darf nicht erwarten, damit auch sein Geld zu verdienen. Bei mir z.B. ist das genau so, ich habe das studiert und werde vermutlich mit Philosophie mein Leben lang beschäftigt sein. Aber Geld verdiene ich als Mathematiker. Was sollte mich deshalb zu dem Schluß führen, meine philosophische Ausbildung sei schlecht?

    „Wenn Diego Fusaro auf dem OP-Tisch liegt, möchte er dann einen „gebildeten und fähigen Menschen“ als Arzt haben, oder einen kompetenten Arzt?“

    Tja … wie gesagt – das Thema des Artikels ist ein anderes: Es geht nicht darum, zu rechtfertigen, daß man an der Uni nichts lernen oder können muß oder sich den ganzen Tag mit sich selbst beschäftigen darf, sondern darum, daß Geld zu machen, nicht das Ziel einer Institution ist, die Wissenschaftler heranbildet.

    Außerdem ist das Beispiel schlecht gewählt: Die Anatomie und Phyiologie des Menschen waren einmal „cutting edge research“ und bis vor ewa 160 Jahren hat die Anwesendheit eines Arztes die Wahrscheinlichkeit für die Heilung eines Patienten eher erniedrigt, als erhöht. Heute könnten sicher 90% der Mediziner eine Ausbildung durchlaufen, ein Studium ist für die meisten Ärtze überflüssig, da sie mehr Handwerker als Akademiker sind. Dennoch bleibt es beim Studium, weil es auf diese Weise viel einfacher ist, den ökonomischen Zugang zu einer Lizenz zum Gelddrucken zu begrenzen.

    „Die Arroganz, mit der der Autor für Leute wie sich selbst ein Leben ohne Verpflichtungen einfordert – bei Alimentierung durch den Rest der Gesellschaft -, stößt mich ab.“

    Ich kann diese Forderung nicht sehen und zwar schon deshalb nicht, weil nirgendwo in dem Artikel die Forderung erhoben wird, daß die universitäte Ausbildung per se das Recht auf einen Job nach sich ziehen sollte.

    Das Gegenteil ist sogar der Fall: Die Akademiker haben seit Jahrzehnten eine lgendär niedrige Arbeitslosenquote, gerade weil sie gelernt haben, sich intellektuell anzupassen und ständig in neue Arbeitsgebiete ohne Hilfe anzupassen. Prekäre Arbeitsverhältnisse schafft dagegen vor allem die Universität selbst. Zwar gibt es ohne Zweifel Leute, die die Uni als terapheutischen Freiraum nutzen und nach dem Ende des Studium in der Welt nicht klar kommen, aber das ist kein systematisches Problem der Uni.

    „Die Krankenschwester im Schichtdienst, der Betonbauer und der Taxifahrer sollen solche Witzfiguren mit ihren Steuern unterhalten, während sie keinen messbaren Beitrag zur Gesellschaft leisten und bereits die Forderung nach einem Beitrag rundheraus ablehnen.“

    Eine besonders ignorante Bemerkung, denn sie spiegelt vor allem sachliche Unkenntnis wieder. Denn der Eindruck eines fehlenden Beitrages kommt nicht dadurch zustande, daß nichts getan wird, sondern dadurch, daß die Uni der Ökonomie so weit voraus ist, daß es zwischen 15 und 50 Jahren dauert, bis sich ein universitärer Standard in der Industrie durchgesetzt hat. Doch so wie ich dich bisher einschätze, wirst du auch das für ein Problem der Forschung halten.

    „Der Text entlavrt, was die heutige Linke bereit ist, für den von ihnen beschworenen Klassenkampf zu investieren: Warme Worte. Und auch die nur, wenn sie dafür bezahlt werden.“

    Was immer die Linke tun oder denken mag, weder Mill noch der Text liefern Indizien für irgendein Linkssein im gegenwärtigen postmodernen Sinne. Die Neo-Linken zu kritisieren ist sicher löblich, aber deine Herangehensweise wünsche ich mir dafür sicher nicht.

    „Für eine staatliche Alimentation dieser Art von Universitäten natürlich auch nicht.“
    Das venture capital ist viel zu konservativ und risikoscheu um Projekte an der Uni zu finanzieren, die denen ist die Fehlschlagsquote von 70% genau bekannt. Lerne als: Zu erforschen, was noch niemand kann und weiß, ist kein gutes Geschäft – was wenig überraschend ist. Daher kann das nur der vom Staat gemacht werden und für die übrigen sozialen Güter geschieht das ja auch. Warum das für die Uni anders sein soll, weiß ich nicht. Ich nehme an, du konntest dort nie hin und bist neidisch und fühlst dich zurückgesetzt?

    Ich habe schon die Diskussion um radikale Maßnahmen der Männerbewegung schweigend mitverfolgt, weil sie mir hochgradig irreführend erschien und sehe nun meinen schlechten Eindruck bestätigt: Nicht ganz so schlimm wie AllesEvolution, aber es gibt nur wenig Hoffnung.

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        1. Ich nehme den Artikel so einfach wie möglich auseinander. Die Frage nach der Finanzierung ist einfach und statthaft. Da keine Gründe angeführt werden, warum man diese Art Universität (ohne irgendeine Verpflichtung gegenüber der Allgemeinheit) öffentlich finanzieren sollte, war dies das Mittel der Wahl.

          Finde ich, dass man Universitäten verschulen sollte und nur noch unterrichten sollte, was die Wirtschaft gerade benötigt? Nein.

          Finde ich, dass der Autor des Artikels völlig abgehoben ist und seine eigene Freiheit bei Alimentierung durch die Allgemeinheit für selbstverständlich hält und nicht einmal andeutet, welchen Nutzen seine Kaste hat? Ja.

          Glaube ich, dass diese Ansicht unter Linken sehr weit verbreitet ist? Ja.

          Finde ich, dass Universitäten einen gesellschaftlichen Nutzen haben müssen, wenn sie öffentlich finaziert werden sollen? Ja, das kann auch sehr langfristig sein.

          Ich antworte nicht auf deine Argumente, weil ich sie zu guten Teilen unterstütze. Der ursprüngliche Artikel steht aber stellvertretend für eine Fehlentwicklung, die ich kritisiere. Eine Universität ist eben kein Selbstzweck. Manche Menschen in der Universtät scheinen das aber nicht so zu sehen.

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          1. „Ich antworte nicht auf deine Argumente, weil ich sie zu guten Teilen unterstütze.“

            Dann bilde ich mir den Dissens offenbar ein.

            Neue Punkte bringt dein Kommentar unabhängig davon nicht.

            „Eine Universität ist eben kein Selbstzweck.“

            = Es ist so, Gründe brauche ich keine.

            „Manche Menschen in der Universtät scheinen das aber nicht so zu sehen.“

            Ich zum Beispiel und mein Grund ist: Man kann eine Institution nicht einem ökonomischen Rechtfertigungszwang unterwerfen, wenn man von ihr verlangt, etwas zu erfinden, dessen ökonomischer Nutzen noch unklar ist.

            Und abgesehen davon bringen die Unis diese Rechtfertgung bereits. Denn bereits im Jahr 2000 wurden 30% des Welthandels direkt oder indirekt mit auf Quantentheorie beruhenden Produkten abgewickelt. Als 1925 die Matrizenmechanik eingeführt wurde war das nicht abzusehen. Und das erste, was man damit gemacht hat, war auch keine ökonomische Verwertung, sondern eine militärische Anwendung. Ökonomische Rechtfertigung ist also offenbar mehr ein populistisches Mittel als eine ernstgenommene Herausforderung.

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            1. Den ökonomischen Nutzen hast du ins Spiel gebracht, nicht ich.

              Dein Beispiel ist ein treffendes. Ein Beispiel aus der Naturwissenschaft.

              Siehst du in den derzeit an den Universitäten keine Fehlentwicklungen? Sind alle Studiengänge in der aktuellen Menge sinnvoll und gerechtfertigt? Sind alle Professoren und deren Mitarbeiter ein Fortschritt? Kann man das nicht in einigen Fällen heute erkennen und gegensteuern, oder muss man immer 300 Jahre warten?

              Ja, ich finde es gerechtfertigt, dass man den plakativen Krankenschwestern und Betonbauern gegenüber (als Institution) auskunftsverpflichtet ist, was denn so rumkommt.

              Der hohe Anspruch den du an Universitäten stellst – siehst du diesen tatsächlich erfüllt?

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              1. „Siehst du in den derzeit an den Universitäten keine Fehlentwicklungen?“

                Nur solche, die auf politische Interventionen zurückzuführen sind – was nicht ausschließt, daß es persönliche Fälle von Versagen gibt. Aber daß die Forschung heutzutage vor allem ökonomischs gestrieben ist, ist der entscheidende Grund für ihre gegenwärtige Niveaulosigkeit.

                „Sind alle Studiengänge in der aktuellen Menge sinnvoll und gerechtfertigt?“

                Bis auf Gender Studies – im wesentlichen: Ja. Vor allem die Sozialwissenschaften werden wir bitter vermissen, wenn uns unser technischer Fortschritt vor gesellschaftsorganisatorische Herausforderungen stellt.

                „Sind alle Professoren und deren Mitarbeiter ein Fortschritt?“

                Im Moment bekommen diejenigen Proffessoren Extra-Mittel, die die meisten Frauen einstellen. Das haben sie sich sicher nicht ausgesucht.

                „Kann man das nicht in einigen Fällen heute erkennen und gegensteuern, oder muss man immer 300 Jahre warten?“

                300 sind nicht nötig. Aber ich kann das Geistes- und Sozialwissenschaften-bashing, das du dir im Kielwasser zu den Proleten von AllesEvolution traust, nun mal nicht nachvollziehen.

                „Ja, ich finde es gerechtfertigt, dass man den plakativen Krankenschwestern und Betonbauern gegenüber (als Institution) auskunftsverpflichtet ist, was denn so rumkommt.“

                Nur – warum?

                „Der hohe Anspruch den du an Universitäten stellst – siehst du diesen tatsächlich erfüllt?“

                Es gibt Professoren, die ihn entgegen aller politischer Widerstände erfüllen. Andere betreiben ihre Proffessur rein ökonomisch – vor allem in der Mathematik ist das so.

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              2. „„Ja, ich finde es gerechtfertigt, dass man den plakativen Krankenschwestern und Betonbauern gegenüber (als Institution) auskunftsverpflichtet ist, was denn so rumkommt.“

                Nur – warum?“

                Weil sie den Laden (mit-)finanzieren. Und wir in einer Demokratie leben.

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