Zensur bei Twitter

Der durch seine Dilbert Comics bekannte Scott Adams macht bereits seit längerer Zeit darauf Aufmerksam, dass Twitter seine Beiträge subtil zensiert. Was er twittert taucht bei seinen Followern regelmäßig nicht im Tweetfeed auf. Auf diese Weise werden viel weniger Menschen auf ihn Aufmerksam, weil man seine Timeline aufrufen muss, um überhaupt zu merken, dass er getwittert hat.

Im aktuellen Fall weist er auf ein neues Phänomen hin: Bei vielen seiner Tweets wird von Twitter zusätzlich „This Tweet is unavailable“ eingeblendet um Nutzern zu suggerieren, dass sich ein Klick nicht lohnt. Beängstigend dabei: Er macht ausdrücklich darauf aufmerksam, dass dies nur bei einem Teil seiner Beiträge passiert. Nur bei denen mit bestimmten Inhalten.

Natürlich ist Zensur per Definition immer ein staatlicher Eingriff, der hier wahrscheinlich nicht vorliegt. Die Wirkung ist aber die Gleiche. Fürs Protokoll: Scott Adams‘ Tweets und seine Artikel sind kilometerweit von extremistischen Inhalten entfernt.

Natürlich stellt sich hier die Frage, ob man große Social Media Anbieter wie Twitter und Facebook regulieren müsste, um die Meinungsfreiheit weiterhin zu gewährleisten. Je mehr solche Zensurmaßnahmen ausgeweitet werden, desto größer wird diese Diskussion werden. Scott Adams regt dies ebenfalls an.

Für mich ist zunächst aber der Grund und die Auswirkung der Twitter-Zensur entscheidend. Twitter möchte bestimmte, als „schlecht“ empfundene Meinungen möglicht dezent einschränken und damit verhindern, dass Nutzer diese Meinungen zur Kenntnis nehmen können. Nutzer sollen von bestimmten Meinungen erst gar nicht erfahren.

Wie zu erwarten, wird dies publik. Was erreicht Twitter damit? Bei einigen Nutzern mag die Zensur funktionieren, sie werden weniger oder gar nicht auf zensierte politische Standpunkte aufmerksam und bleiben im von Twitter vorgegebenen politischen Rahmen.

Andere erwarten bei Twitter keine ausgewogenen Informationen mehr, verlassen Twitter und gehen direkt zu den – aus Sicht von Twitter – schlechten Inhalten. Diese Nutzer erreicht Twitter dann auch mit gemäßigten Tweets nicht mehr, die früher auch in deren Tweetfeeds der Nutzer auftauchten.

Das halte ich für gefährlich: Die Menschen werden in eine Filterblase hineingedrängt, weil es keine Zwischentöne mehr geben darf. Letztlich sind diese Menschen über Twitter nicht mehr erreichbar. Dieser Effekt tritt auch bei den Mainstream-Medien auf.

Warum durchdenkt sich das niemand vorher? Twitter sieht sich sicherlich auf der Seite der Guten und möchte „schlechte“ Meinungen unterdrücken. Kommen sie nicht auf die Idee, dass sie damit genau das Gegenteil erreichen?

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