Feministinnen marschieren mit dem Islam

Beim Womens March on Washington ist eine seltsame Allianz zwischen Feministinnen und Muslimen zutage getreten. Der Womans March soll für Frauenrechte, soziale Gerechtigkeit und Menschenrechte stehen. Zu den Frauenrechten – so wie Feministinnen sie verstehen – gehört beispielsweise auch das Recht auf Abtreibung. Eine der Organisatorinnen des Womans Marchs ist Linda Sarsour. Über sie gibt es interessante Dinge zu lesen:

In 2011, Sarsour referred to Sharia as “reasonable,” tweeting: “once u read into the details it makes a lot of sense.”

Sie findet 10 Wochen bezahlten Mutterschutz wichtiger als das Recht Auto zu fahren:

But Sarsour expressed her indifference to the illegality of female driving in Saudi Arabia, tweeting: “10 weeks of PAID maternity leave in Saudi Arabia. Yes PAID. And ur worrying about women driving. Puts us to shame.”

Beim Womans March Ableger in Berlin war dann zu sehen und zu hören, wie nahe  Verfechterinnen von Frauenrechten dem Islam offenbar stehen.

Ziele und Wertesysteme

Das Wertesystem des Islam sieht keine sexuelle Freizügigkeit vor:

Der Islam lehnt jede Art von außerehelicher intimer Beziehung zwischen den Geschlechtern grundsätzlich ab. Dies gilt sowohl für Mädchen als auch für Jungen. Allein die Ehe bietet den Rahmen für eine intime Beziehung zwischen Mann und Frau.

Zu Abtreibung gibt es ebenfalls eine klare Meinung:

Der Qur’an verbietet eindeutig das Töten von Kindern, unabhängig davon, ob sie bereits geboren wurden oder noch nicht: „Und tötet eure Kinder nicht aus Furcht vor Armut;

„Wir sorgen für sie und für euch. Wahrlich, sie zu töten, ist ein großer
Fehler.“

Ich kenne die Webseite der-islam.com und deren Macher nicht. Die zitierten Positionen sind jedoch legitime politisch-moralische Positionen, die man ähnlich beispielsweise auch bei der Katholischen Kirche finden kann.

Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte sagt zur – von Linda Sarsour positiv bewerteten – Scharia:

Der Koran bedroht den unzüchtigen Unverheirateten nach Sure 24,2-3 mit 100 Peitschenhieben, die Überlieferung fordert die Todesstrafe für Verheiratete. War die Frau unverheiratet, der Mann aber verheiratet, soll die Frau im Haus eingesperrt werden, „bis der Tod sie abberuft oder Gott ihr einen Ausweg schafft“ (4,15). Ist der Mann unverheiratet, die Frau aber verheiratet, soll er für ein Jahr verbannt werden; die Frau erhält 100 Peitschenhiebe.

Folgendes Zitat aus gleicher Quelle sollten sich Feministinnen auf der Zunge zergehen lassen. Es ist ziemlich lang, aber in seiner Gänze lesenswert. Ich habe zur besseren Lesbarkeit Absätze eingefügt:

Als Koranvers von großer rechtlicher wie gesellschaftlicher Tragweite ist hier z. B. Sure 4,34 zu nennen: „Die Männer stehen über den Frauen, weil Gott sie vor diesen ausgezeichnet hat und wegen der Ausgaben, die sie von ihrem Vermögen gemacht haben. Und die rechtschaffenen Frauen sind demütig ergeben (oder: gehorsam)…“.

Und ähnlich Sure 2,228: „Die Männer stehen eine Stufe über ihnen.“ Muslimische Theologen kommentieren diese Verse in aller Regel traditionell: „Männer und Frauen haben als Menschen nicht denselben Wert“. Der berühmte Koranausleger Ibn Kathir erläutert Sure 4,34 mit den Worten: „Männer sind Frauen überlegen, und ein Mann ist besser als eine Frau.“

Insbesondere aus Sure 4,34 werden zwei Grundkomponenten des islamischen Eherechts abgeleitet, die als Garanten von Gerechtigkeit und Stabilität im Familienleben betrachtet werden: Die Überordnung des Mannes über die Frau, begründet damit, dass Gott den Mann über die Frau gestellt hat (Sure 2,228), sowie damit, dass der Mann „Ausgaben“ für die Frau hat (4,34).

Diese „Ausgaben“ beziehen sich nach weitgehend übereinstimmender Auffassung auf die Pflicht des Mannes zum Unterhalt seiner Frau, während sie ihm „demütig ergeben“ oder „gehorsam“ zu sein hat (4,34). Dieser Gehorsam wird in erster Linie auf den Bereich der Sexualität bezogen, denn der Mann erwirbt mit Abschluss des Ehevertrages und Aufnahme der Unterhaltszahlungen das Recht auf den Körper seiner Frau (vgl. Sure 2,223; 2,187)

Das entspricht nicht feministischen Positionen.

Es mag einzelne Muslime geben, die aus diesen Vorgaben feminismuskonforme Regeln herleiten können, aber die große Mehrheit der real existierenden Muslime wird das nicht so sehen. Das islamische Wertesystem ist komplett inkompatibel mit Feminismus.

Das wird auch deutlich, wenn man sich ansieht, was die Macher von der-islam.com so denken:

Wir wollen den Islam nicht nur als eine Religion darstellen sondern den Leuten mitteilen, dass er eine Lebensweise ist, die unser ganzes Leben bestimmt, eine Lebensweise, die all unseren Taten in dieser Welt bestimmt und an diesen gemessen werden sollte.

Denn viele wissen nicht, dass der Islam nicht (nur) wie in anderen Diins, eine Privatsache für zu Hause ist. – Nein, bei uns fängt das schon mit dem Aufstehen an und endet erst mit dem Zu-Bett-gehen. Alles ist in der Sunna und dem Qur’an festgehalten und wir sollten danach leben.

Während viele Menschen ihre Religion (Dīn) eher als Privatsache für zu Hause betrachten, wird der Islam von Muslimen explizit als Regelsystem, ja als Lebensweise verstanden. Mindestens also liefert diese Religion (wie auch andere Religionen) eine Begründung für Positionen gegen viele feministische Positionen.

Die Auswirkungen auf eine Gesellschaft sind dabei völlig unabhängig davon, ob sich das Wertesystem direkt aus der Religion ergibt oder ob man die Vorgaben der Religion nicht auch viel freier interpretieren könnte. Entscheidend sind die real existierenden Gläubigen, die ein bestimmtes Wertesystem haben:

Wenn Sarah mit ihren beiden Freundinnen Arm in Arm über den Flur schlendert, wird sie schon mal als Lesbe beschimpft, daran hat sie sich gewöhnt. Aber seit diesem Satz – „Ich glaube nicht an Gott“ – hat das Mobbing von Seiten der großteils strenggläubigen Mitschülern zugenommen. Bald wechselt Marlene auf eine neue Schule – wegen des kürzeren Wegs, aber auch wegen der ausgewogeneren Zusammensetzung der Klassen. Auch Kia wird gehen. Nur Sarah bleibt zurück, als einzige Schülerin ohne Migrationshintergrund in der Klasse.

Wenn die Anzahl der Menschen steigt, die die dem Islamischen Wertesystem folgen, wird es schwieriger, feministische Positionen in der Gesellschaft durchzusetzen und zu erhalten. Die Positionen zu Abtreibung beispielsweise liegen unvereinbar weit auseinander.

Man kann aus feministischer Sicht hoffen, dass Menschen ihr Wertesystem anpassen, man kann auch aktive Maßnahmen einleiten, um die „Umerziehung“ zu ermöglichen. Aber der Erfolg ist unsicher. Es bleibt ein erhebliches Risiko für feministische Positionen in der Gesellschaft.

Ich möchte die islamischen und feministischen Positionen an dieser Stelle nicht bewerten, es geht mir nur darum, dass sie unvereinbar sind. Warum verstehen Feministinnen das nicht und lassen sich auf eine solche Allianz ein?

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2 Kommentare zu „Feministinnen marschieren mit dem Islam“

  1. Zu deiner abschließenden Frage:

    1. Strukturähnlichkeit von Feminismus und Islamismus (-> einheitliche Meinung, Einschränkung der Freiheit)
    2. Feminismus identifiziert sich mit der islamischen Opferideologie
    3. Feministische Wellen enden immer mit einem Vaginakult, wo sich alles nur noch um weibliche Befindlichkeit dreht. Daraus ergibt sich weibliche Hilflosigkeit, welche wiederum ein Patriarchat herbeisehnt. Deswegen standen auch so viele junge Frauen in den Reihen der Refugee Welcome Reihen.

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