Traumjobs dank Flüchtlingskrise Teil 2

Ich hatte an anderer Stelle über die Berufsgruppen, die von der Flüchtlingskrise profitieren, berichtet – und darüber, was das kostet. Kollege Siggi beschäftigte sich mit neu geschaffenen Stellen für Integrationsbeauftragte in der Justiz in Nordrhein-Westfalen.

In Baden-Württemberg scheinen sich überhaupt keine geeigneten Bewerber mehr zu finden. Die Stuttgarter Zeitung berichtet, dass die Kommunen und Landkreise vom Land die Lockerung der Vorgabe eines Studienabschlusses für Integrationsbeauftragte verlangt haben.

Seit 2013 werden diese vom Land anteilig mit einem Millionenbetrag mitfinanziert, mehr als 300 Stellen wurden bereits auf der Grundlage der „Verwaltungsvorschrift Integration“ gefördert – von A wie Aalen bis W wie Winterbach.

Am Geld fehlt es also nicht, aber zunehmend an geeignetem Personal. Schon vor einer Weile schlug der Gemeindetag daher Alarm. Städten und Gemeinden falle es immer schwerer, die Stellen zu besetzen, schrieb der Präsident Roger Kehle an den zuständigen Sozialminister Manfred Lucha (Grüne). Angesichts der hohen Flüchtlingszahlen sei „der Arbeitsmarkt in diesem Bereich so gut wie leergefegt“.

Das glaube ich gern. Aber lassen wir das mal sacken: 300 Stellen für Integrationsbeauftragte. Von denen arbeitet keiner direkt mit Zuwanderern:

Wir wollen gemeinsam mit den Kommunen erreichen, dass sie die Integrationsarbeit vor Ort noch stärker strukturell verankern, vernetzen und mitsteuern können.

Die erste Kostenwelle der Flüchtlingskrise betraf Jobs, die unmittelbar mit und für die Zuwanderer arbeiten, und die Verwaltungsjobs für die Bearbeitung von Sozialleistungen und Asylverfahren. Die zweite Kostenwelle betrifft jetzt die Jobs, die die Arbeit der ersten Welle „strukturell verankern, vernetzen und mitsteuern“ sollen.

Worthülsen, die zeigen, worauf es hinausläuft: Neue Initiativen, Gesprächskreise, Arbeitsgruppen und Interessenverbände der Helferindustrie entstehen, staatlich gefördert und finanziert von Ländern und Kommunen. Die dann die neuen Forderungen auch noch bezahlen müssen. Denn ein Integrationsbeauftragter braucht natürlich seine Daseinsberechtigung. Mir fallen viele Betätigungsfelder für Vernetzung ein: Die Verhältnisse in Flüchtlingsunterkünften müssen verbessert werden, die Flüchtlinge brauchen stärkere Unterstützung bei Behördengängen und in Asyl- und Verwaltungsverfahren, und unter struktureller Verankerung kann man die Neuschaffung von Stellen und Angeboten wie Willkommens-Zentren und Beschwerdemanagement für Zuwanderer gleich mitdenken. Bestimmt müssen auch die Integrationsbeauftragen untereinander bundesweit vernetzt werden.

Aber so weit möchte ich nicht vorgreifen – das wäre dann die dritte Welle. Mein heiteres Beruferaten von Traumjobs dank Flüchtlingskrise erweitere ich zunächst um Integrationsbeauftragte. Künftig möglicherweise auch ohne Studienabschluss und damit für die letzten bisher trotz Flüchtlingskrisengeldregen unversorgten Studienabbrecher erreichbar. Vorausgesetzt, das persönliche Engagement bewegt sich in der korrekten politischen Richtung.

 

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3 Kommentare zu „Traumjobs dank Flüchtlingskrise Teil 2“

  1. A propos „Integrationsbeauftragte“:

    Wichtig ist, dass speziell den Tätern geholfen wird:
    Man habe jetzt die erste Integrationsbeauftragte im NRW-Justizvollzug eingestellt, so Nelle-Cornelsen. Durch die arabischen Sprachkenntnisse erhoffe man sich einen besseren Zugang zu den Häftlingen.

    Hier musste ich mir schon eine Träne verdrücken – vor Lachen. Endlich wieder Jobs für ansonsten nicht einsetzbare Geisteswissenschaftler. Und so klug durchdacht. Gerade für diese Zielgruppe ist es wichtig, eine Frau auf diese Position zu setzen:
    Weibliche Vollzugsbeamte würden nicht anerkannt. „Oftmals muss ein Mann die Anordnungen wiederholen, damit auch Folge geleistet wird.“

    Auf diese Art und Weise entstehen sogar zwei neue Jobs, den der Integrationsbeauftragten und den des Mannes, auf den die Insassen hören. – https://scheidendegeister.wordpress.com/2017/01/08/wie-integration-in-den-gefaengnissen-aussieht/

    lol

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