Moralapostel

Zu unserem vorherigen Artikel möchte ich auch noch ein paar Gedanken los werden.

Nö. Das ist nicht schwer zu verdauen, das ist schlicht Quatsch. Das subjektive Empfinden, verletzt worden zu sein, ist nicht der Maßstab für Rassismus.

Man kann die Gefahr, die solche Moralapostel darstellen, nicht genug betonen. Journalistendarsteller wie Hülya Gürler glauben, weil sie die „richtigen“ Moralvorstellungen haben, ist es richtig, diese auch von anderen einzufordern zu können.

Aber sie denken nicht zu Ende, was es bedeutet, wenn der Maßstab für Rassismus das Empfinden von Betroffenen ist. JEDER kann Betroffener sein. Und man findet immer jemanden. Und dass dabei wirklich verquere Konstrukte entstehen, zeigt unser Artikel ja recht gut. Hier wird der linkesten, am wenigsten rassistischen Gruppe, die ich kenne, nämlich Kultur- und Theatergruppen, einfach mal Rassismus bescheinigt. Auch Günter Wallraff, der gerade Rassismus aufdecken und anprangern will, ist nach dieser obskuren Definition ein Rassist.

Und es bleibt ja nicht beim Rassismus, letztendlich wird jeder „ismus“, z. B. auch der Sexismus auf genau diese Art und Weise definiert werden. Und jeder kann sich betroffen fühlen.

Freie Meinungsäußerung und freie Diskussion findet dann in der kleinsten denkbaren Blase statt, in der nichts geäußert wird, was IRGENDJEMANDEN verletzen könnte.

Und natürlich können sich auch Personen verletzt fühlen, die nach Hülya Gürlers Vorstellungen die „falsche“ Moral haben. So weit denkt sie aber nicht.

Letztendlich ist der ganze Artikel auf taz.de das, was man im amerikanischen Raum als virtue signalling bezeichnet. Man zeigt allen anderen, was für eine tugendhafte und gute Person man ist, anstatt das Problem wirklich zu lösen. Wie so oft wird auch in Kauf genommen, dass weitere Probleme erzeugt werden. Aber die Journalistendarstellerin kann sich öffentlich gut und moralisch überlegen fühlen. Nur darum geht es ihr, nicht um einen Beitrag zu einer Debatte.

Wenn sich kein Günter Wallraff mehr traut, Rassismus aufzudecken und anzuprangern, dann hat Hülya Gürler ihr Ziel erreicht.

Als Postskriptum noch ein kurzer Geistesblitz von Hülya Gürler:

Nun ließe sich einwenden: Es gibt Schwarze, die keinen Rassismus im Blackfacing sehen. Und warum sollte eine Mehrheit sich von einer Minderheit den Spaß verderben lassen?

Kurz flackert es auf: Ja, warum eigentlich? Warum sollte sich die Gesellschaft den Spaß verderben lassen, von solchen Tugendwächtern? Was hat sie eigentlich davon?

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1 Kommentar zu „Moralapostel“

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