Der Kreationismus ist stark in dir, Journalismus

Kreationismus

Der Kreationismus beschreibt eine Welt, in der Gott die Arten geschaffen hat. Es gibt eine Schöpfungsgeschichte und es werden Fakten genutzt, die in dieses Weltbild passen und der Evolutionstheorie zu widersprechen scheinen. Echte Beweise für das eigene Weltbild – etwa ein Beweis, dass Gott existiert und die Arten geschaffen hat – werden nicht erbracht.

Im Gegensatz dazu ist der wissenschaftliche Ansatz, möglichst alle Fakten und Vorgänge zu kennen, zu bewerten, und damit die Welt zu beschreiben.

Dieses Comic bringt den Unterschied ziemlich gut auf den Punkt. Das Ergebnis steht vorher fest, die Kreationisten suchen sich, als Teil ihrer „Forschung“, die passenden Fakten dazu heraus.

Journalismus

Auch Journalismus sollte sich die Fakten anschauen und darüber berichten. Nachrichten und Kommentare sind voneinander zu trennen. In der Realität ist das nicht immer so.

Das sind doch mal gute Nachrichten:

„Diese bekannte Angst der Bevölkerung, jetzt kommen ganz viele junge Männer, die ganz anders sozialisiert sind, die wird durch so einen einzelnen Fall ja bestärkt“, sagt die Psychologin Maggie Schauer, die an der Universität Konstanz forscht. „Aber die Generalisierung, alle jugendlichen Flüchtlinge seien so, entwickelt eine fatale Dynamik.“

Die Annahme, junge Flüchtlinge seien gewaltbereiter, lässt sich mit Zahlen des Bundeskriminalamtes (BKA) nicht belegen. „Die Gewaltkriminalität insgesamt ist zurückgegangen, obwohl so viele Flüchtlinge gekommen sind“, erläutert Professor Jörg Kinzig, Direktor des Tübinger Instituts für Kriminologie, die Statistiken.
„Bei Mord und Totschlag gab es ein Minus von 2,9 Prozent. Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung ein Minus von 4,4 Prozent.“ Sexualmorde wie der in Freiburg seien äußerst selten. Nur 13 Fälle gab es im vergangenen Jahr bundesweit. Statistisch gesehen werde dabei einer von einem Jugendlichen verübt – „egal, wo der herkommt“.

Da steht es: Alle Sorgen unberechtigt. Die Kriminalität in Deutschland ist in Summe zurück gegangen, also gibt es keine Probleme mit der Kriminalität von Flüchtlingen.

Welchen Zusammenhang gibt es zwischen diesen Aussagen?  Daraus kann man gar nichts ableiten! Und wie gewohnt wird das durch die Journalistin auch nicht weiter hinterfragt. Vielleicht weil es in ihr Weltbild passt?

Das ist das Niveau, auf dem die Debatte in den Main Stream Medien geführt wird – gar nicht. Man sagt einfach irgendetwas, um die Diskussion zu zudecken.

Mehr Beispiele gefällig?

Die Diskussion ist reichlich oberflächlich. Sie beschränkt sich auf die Frage, wie hoch jeweils das Risiko sei, durch Deutsche oder Ausländer vergewaltigt zu werden. Das ist die falsche Fragestellung. Richtigerweise müsste gefragt werden: Wie sind die Merkmale von Männern, die Frauen vergewaltigen? Dann merken Sie, dass Nationalität bei Kriminalität keine Rolle spielt, aber sehr wohl Faktoren, die in der Kindheit prägend sind. Männer, die als Kinder zum Beispiel von ihren Eltern geprügelt wurden, die Ohnmacht oder wenig Liebe erfahren haben, neigen später dazu, ihr Sexualverhalten als Machtspiel zu gestalten und die Demütigung des Gegenübers als einen lustvollen Aspekt zu erleben.

Das ist das Problem: Wir stellen einfach die falschen Fragen. Es geht nämlich nicht darum zu fragen, ob wir mit Migration die Wahrscheinlichkeit von Frauen (und Männern!) erhöhen, vergewaltigt zu werden. Nein, die Opfer muss man übergehen, denn die Frage ist: Warum vergewaltigen Männer? Und natürlich können nur Männer Täter sein.

Die Zahl der vollendeten Vergewaltigungen ist zwischen 2004 und 2015 um etwa ein Fünftel gesunken. 2004 waren es 7.505, 2015 noch 5.934 – und dies parallel zum einem ständigen Wachstum des Anteils von Menschen, die aus dem Ausland zu uns gekommen sind. Schon an diesem kleinen Beispiel erkennt man, da stimmt irgendwas nicht. Die Kriminalität in Deutschland geht im Gewaltbereich um 15 Prozent nach unten, gleichzeitig haben wir ein starkes Anwachsen des Anteils der „Fremden“. Die Schnellschuss-Antwort, die Ausländer sind die Bösen und verantwortlich für die Kriminalität, ist einfach falsch.

Endlich spricht es mal einer aus! In Deutschland sinkt die Zahl der Gewaltkriminalität und es kommt eine nicht genannte Zahl an Ausländern hinzu. Also können Sie Ausländer nicht das Problem sein. Der Zusammenhang ist so offensichtlich, dass er nicht erklärt werden muss. Und wieder keine Nachfrage solange es ins Weltbild passt.

Dabei sprechen die Fakten eine andere Sprache. Beispielsweise die bayrische Kriminalstatistik 2015 (Seite 21):

Ohne die Straftaten gegen das AufenthG, AsylVfG und FreizügG/EU (890000) ist ebenso ein Anstieg des Anteils der nichtdeutschen Tatverdächtigten von 2009 mit 22,8% (2010 23,7%; 2011 24,2%; 2012 25,4%; 2013 26,5%; 2014 28,6%) auf 31,5% im Jahr 2015 festzustellen. Der Anteil der nichtdeutschen Einwohner an der Bevölkerung Bayerns lag am 31.12.2014 bei 10,3%.

Mit anderen Worten: Das Gegenteil der Aussage des „Kriminologen“ist richtig. Zumindest in Bayern. Auch bei der Gewaltkriminalität gab es eine Zunahme von nichtdeutschen Tatverdächtigen von 6727 im Jahr 2014 auf 7662 im Jahr 2015 (Seite 22).

Also: Ausländer sind im Verhältnis zu ihrem Bevölkerungsanteil stark überrepräsentiert bei den Tatverdächtigen. Und wir sprechen hier vom Dreifachen, nicht von wenigen Prozent.

In der Kriminalstatistik wird ganz automatisch davon ausgegangen, dass Straftaten gegen das AufenthG, AsylVfG und FreizügG/EU irgendwie keine „richtigen“ Straftaten sind. Als würden sie unser Rechtssystem nicht beschäftigen. Und so als könnte man von Menschen, die hier Schutz begehren, nicht erwarten, dass sie Regeln befolgen.

Wenn man diese Straftaten mit einrechnet, dann wurden 61% aller Straftaten in Bayern von Ausländern begangen (46% von Zuwanderern). Eine Anstieg von 303.000 Fällen auf 461.000 Fälle.

Weiter im ursprünglichen Text:

Nehmen wir den Freiburger Fall. Hier ist eindeutig ein Sexualmord geschehen, offenbar durch jemanden, der aus Afghanistan kommt. Aber die Sexualmorde in Deutschland haben seit Mitte der 1980er Jahre von 50 auf fünf im Durchschnitt abgenommen. 90 Prozent Rückgang dieses grauenhaften Deliktes. Und das parallel zu einem ständigen Anstieg von „Fremden“ im Land. Da merkt man doch, dass die Schnellschuss-Analysen, die im Internet durch wenig informierte Menschen zu finden sind, einfach der Komplexität dieser Vorgänge gar nicht gerecht werden.

Wenig informierte Menschen können mit der Komplexität dieser Vorgänge einfach nicht umgehen. Bei so viel Arroganz geht mir glatt die Ironie aus. Wieder dieser Zusammenhang zwischen dem allgemeinen Trend und der Kriminalität von Ausländern im Speziellen. Wenn ein Geisteswissenschaftler eine Korrelation findet, darf er sich eine Kausalität heraussuchen. Das allein zeigt schon, dass es hier nur darum geht, die Diskussion zu umgehen, statt sich mit den Fakten zu befassen. Die Menschen werden als blöde abgetan. Das ist doch unfassbar.

Fazit

Wahrscheinlich aus der Intention heraus, keinen Rassismus zu schüren, wollen einige Journalisten etwas Gutes berichten und picken sich die passenden Aussagen und Fakten wie Rosinen aus dem Kuchen. Andere Aussagen und Fakten – wie zum Beispiel die bayrische Kriminalstatistik – lassen sie aus. Damit handeln sie wie Kreationisten.

Aus meiner Sicht erreichen sie damit genau das Gegenteil.

Für die zwei angerissenen Beispiele braucht es gar keine weiteren Informationen, um den Widerspruch zu sehen. Es fällt sofort auf, dass hier die geeigneten „Experten“ herausgesucht wurden und dass diese Artikel den Zweck haben, die Kriminalität von Ausländern und Zuwanderern herunterzuspielen.

Manche Leser kann man damit sicherlich beeinflussen. Aber einige werden sich ihren Teil denken und Medienberichte zukünftig in diesem Kontext bewerten. Sie werden bei Artikeln über einen Überfall, in dem keine Nationalität des Täters genannt wird, vermuten, dass es Ausländer waren und diese Information schlicht weggelassen wurde. Auch wenn das gar nicht stimmt. Diese Art von Journalismus erweist Ausländern damit einen Bärendienst.

Andere Menschen werden komplett misstrauisch und glauben – im Wortsinn – gar nichts mehr. Sie sind künftig von Politik und Journalismus nicht mehr erreichbar. Das ist eine schlechte Nachricht.

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9 Kommentare zu „Der Kreationismus ist stark in dir, Journalismus“

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