99 ermittelte Tatverdächtige

Auf sueddeutsche.de wird berichtet, dass die Zahl der homophoben Straftaten steigt:

Von Straftaten im Zusammenhang mit der „sexuellen Orientierung“ sind vor allem Lesben und Schwule betroffen. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum entspricht die Zahl von 205 Straftaten einem Anstieg von etwa 15 Prozent. Auch die Zahl der Tatverdächtigen ist gestiegen. In den drei ersten Quartalen 2016 sind 99 Tatverdächtige festgenommen worden. 2015 waren es im gleichen Zeitraum 86.

Nun wissen wir, dass die Kriminalität in Deutschland insgesamt zurückgeht. 205 Straftaten bundesweit scheinen nicht viel zu sein. Aber es könnte laut Artikel eine Dunkelziffer geben von nicht angezeigten oder nicht als solche erfassten Straftaten gegen Lesben und Schwule. Der Anstieg gibt zu denken.

Mich würde interessieren: Welche Straftaten sind das? Werden Schwule und Lesben vermehrt Opfer von Gewalt, von Beleidigung? Werden sie vermehrt bedroht? Wer sind die Täter? Die 99 ermittelten Tatverdächtigen haben welche Nationalität, welches Alter, welches Geschlecht?

Bei der Recherche nach Zahlen bin ich auf hierauf gestoßen. David Berger schreibt dort schon im Februar 2016:

In der letzten Zeit häufen sich homophobe Übergriffe in Berlin Kreuzberg auf rasante Weise. Dabei ist die Gegend rund um das Kottbusser Tor immer wieder im Brennpunkt der Vorkommnisse.

Schwule werden dort – zumeist von jungen Männern mit Migrationshintergrund – mit Fäusten ins Gesicht geschlagen, als vermeintlich leichte, weil feminine Beute ausgeraubt oder auch schon mal mit Gürtelschlägen quer über den Platz gejagt.

Berger bezieht sich auf einen Artikel auf zeit.de und schreibt weiter:

Das Schönreden der Gewalt gegen homosexuelle Männer gelingt der ZEIT vor allem auch deshalb erfolgreich, weil man sich die richtigen Gesprächspartner beigezogen hat, die sich im Notfall eher für Migrationsromantik als für die Freiheit ihrer eigenen Leute entscheiden.

Das sind in diesem Fall ein Markus Ulrich und Jörg Steinert vom Lesben- und Schwulenverband Deutschland. Zunächst wiegeln sie ab – an vermehrte Übergriffe auf Schwule und Lesben sei gar nicht zu denken. Die stark erhöhten zahlen kämen nur daher, dass sowohl Schwule und Transgender als auch die Polizei nun eine neue Sensibilität für homophobe Übergriffe entwickelt hätten.

Also ist der behauptete Anstieg gar keiner?

Die Zweifel an den homophoben Übergriffen werden dann noch mit einem weiteren originellen Satz genährt: „ Auch eine arabische Bande, die gezielt Schwule am Kottbusser Tor angreife, ist dem Verband nicht bekannt.“

Da scheint eine infantile Logik zu greifen, dass es das, was man selbst nicht sieht, vermutlich gar nicht gibt. Oder wenn diese Araber sich nicht in das LSVD-Register „Homophobe Vereinigungen“ eingetragen haben, gibt es sie vermutlich auch nicht. Hinzukomme, dass es am Kotti nicht nur homophobe Übergriffe (aha, doch?), sondern auch andere Gewaltdelikte gebe. Fazit: „Der Kotti sei außerdem längst keine No-Go-Area für Schwule“.

Man könnte, wenn man die zunehmende Gewalt gegen Schwule und Lesben thematisiert, Ursachen die mit den Tätern zu tun haben recherchieren. Anhaltspunkte und Berichte gibt es genug. Von Journalisten der Süddeutschen ist das offenbar zuviel verlangt.

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